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Die Mathematik der Epen : Die Netze der Helden und Täter

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Was man aus dieser Analyse schließen kann, ist ein Beleg für die kriegerische Gesinnung der Mayas, die durch die Überlieferungen - eine Art Bibel - offensichtlich versucht haben, die Gewaltbereitschaft ihrer Gesellschaft zu rechtfertigen.

Wie kommt man jetzt von den Epen zur Geschichtsschreibung? Die Epen, als Mischform zwischen Realität und Fiktion, sind ideale Versuchsobjekte, um zu testen, ob man die Netzwerkanalyse tatsächlich für so etwas wie ein „ Historizitätsthermometer“ verwenden kann, mit dessen Hilfe man den Grad an Realismus oder Fiktion besser abschätzen lässt.

Im elften Teil von „Krieg und Frieden“ benutzt Leo Tolstoi eine mathematische Metapher, die ihresgleichen in der Weltliteratur sucht und die erklärt, wie man eine Theorie der Geschichte aufbaut. In Tolstois Meisterstück heißt es: ,,Die aus einer unzähligen Menge menschlicher Willensäußerungen resultierende Bewegung der Menschheit vollzieht sich in stetiger Folge. Die Gesetze dieser Bewegung zu verstehen ist das Ziel der Geschichtsforschung . . . Nur wenn wir einen unendlich kleinen Einzelteil (das Differential der Geschichte, d. h. die gleichartigen Bestrebungen der Menschen) zum Gegenstand der Betrachtung machen, und uns auf die Integralrechnung verstehen (die Kunst, die Summe dieser unendlich kleinen Einzelteile zu berechnen), nur dann können wir hoffen, zu einem Verständnis der Gesetze der Geschichte zu gelangen.“

Dennoch sollte man natürlich die Mathematisierung der Geschichte mit Vorsicht genießen. Wir sind noch weit von mathematischen Gesetzen entfernt, mit denen Geschichte beschrieben werden könnte. Netzwerke sind aber ein guter Anfang.

Silvio Renato Dahmen ist Humboldt-Stipendiat und Physiker an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Porto Alegre, Brasilien.

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