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Auszeichnung : Deutscher Zukunftspreis geht an Flüssigkristall-Forscher

  • Aktualisiert am

Ausgezeichnet: Tarumi, Klasen-Memmer und Bremer Bild: dpa/dpaweb

Mit dem hochdotierten Zukunftspreis ist ein Team des Chemieforschungs-Konzerns Merck ausgezeichnet worden. Die Forscher entwickelten Flüssigkristalle, die Flachbildschirme heller, kontrastreicher und schärfer machen.

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          Leichter, heller, schärfer - Flüssigkristall-Fernseher erobern die Wohnzimmer. Forscher des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck haben daran einen entscheidenden Anteil. Mit der richtigen Mischung ist es ihnen gelungen, den großen Nachteil der Flüssigkristallanzeigen (LCD, Liquid Crystal Displays) auszubügeln: die Trägheit. Ihre Entwicklung sorgt für schnelle Schaltzeiten und damit für gestochen scharfe Bilder bei hohem Kontrast. Die Merck- Forscher um Kazuaki Tarumi haben dafür am Donnerstagabend in Berlin den Deutschen Zukunftspreis gewonnen. Johannes Rau überreichte den mit 250.000 Euro dotierten Preis an Teamchef Kazuaki Tarumi und seine Mitarbeiter Melanie Klasen-Memmer und Matthias Bremer.

          Für Merck bedeutet der Trend zu LCD-Fernsehern eine sprudelnde Einnahmequelle: Im Jahr 2003 werden etwa drei Millionen LCD-Fernseher verkauft werden und nach Meinung unabhängiger Experten werden es in fünf Jahren zehn Mal so viele sein. Flüssigkristalle sind „eine der ganz großen Erfolgsgeschichten des Unternehmens“, betont Merck-Chef Bernhard Scheuble. Im dritten Quartal hat das Unternehmen damit rund 120 Millionen Euro umgesetzt, die Sparte ist überproportional um 23 Prozent gewachsen. Scheuble verspricht sich noch einiges: „LCD- Bildschirme sind erst seit kurzem zu einem annehmbaren Preis zu haben. Die wachsende Nachfrage werden wir bald spüren.“

          Flüssigkristalle schon 1888 entdeckt

          Auch wenn für einen LCD-Fernseher nur etwa zwei bis vier Gramm Flüssigkristall nötig sind, erfordert die prognostizierte Entwicklung zunächst eine Verdopplung und später eine Verdreifachung der derzeitigen Produktionskapazität von 50 Tonnen pro Jahr. Deshalb hat Merck in Deutschland 250 Millionen Euro in eine neue, hochmoderne Anlage investiert, die 2004 ihren Betrieb aufnehmen wird.

          Die organische Verbindung der Flüssigkristalle ist keineswegs neu. Sie wurde bereits 1888 von dem österreichischen Botaniker Friedrich Rinitzer entdeckt. Aber erst 80 Jahre später begriffen die Forscher, was in diesem Stoff steckt und entwickelten eine erste Kristall- Anzeige. Je nach elektrischer Spannung schalten die Stäbchenmoleküle der Kristalle auf lichtdurchlässig oder dunkel. Mit diesem Phänomen werden Zahlen und Bilder auf Handy-Displays oder moderne Monitore gezaubert.

          Merck ist Marktführer

          Seit langem forscht Merck auf diesem Gebiet und hat sich fast unbemerkt zum Weltmarktführer gemausert. Rund 60 Prozent der flüssigen Kristalle kommen aus dem Darmstädter Pharmaunternehmen, das inzwischen mehr als 2.500 Patente hält. In fast allen LCD-Bildschirmen steckt nach Angaben der Firma Merck-Technik.

          Insgesamt stellt das Unternehmen 300 verschiedene Flüssigkristalle her. Jedes Jahr werden weitere 5.000 bis 6.000 neue Mischungen für neue Anwendungen getestet. So müssen etwa Flüssigkristalle für ein Auto-Navigationssystem sowohl bei minus 40 Grad als auch bei plus 110 Grad Celsius funktionieren. Ein Ziel der Forschung ist es, die Schaltzeiten zwischen durchlässig und dunkel noch weiter zu verkürzen: Das ist eine Voraussetzung für hochauflösende Handy-Displays, auf denen Videos übertragen werden sollen.

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