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Paul-Ehrlich-Preis : Selbstverteidigung gegen Krebs

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Mehrere natürliche Killerzellen haben sich an die Oberfläche einer Tumorzelle angelagert Bild:

Eine bestechende Idee im Kampf gegen Krebs erntet nun breite Anerkennung: Immuntherapie, das ist eine Art Impfung gegen Tumorzellen, erhält eine der höchsten deutschen Auszeichnungen für Medizin.

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          Es ist das Therapie-Konzept der Stunde, und die Stunde dauert schon einige Zeit: Immuntherapie gegen Krebs. Vor zwei Jahren war es für „Science“ der Durchbruch des Jahres, die entscheidenden Vorarbeiten der Grundlagenforscher liegen jedoch schon Jahre und Jahrzehnte zurück. Für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Immuntherapie ist jetzt zwei amerikanischen Wissenschaftlern der international angesehene Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2015 zugesprochen worden: James P. Allison und Carl H. June. Das gab die Paul Ehrlich-Stiftung heute in Frankfurt bekannt.

          Die mit 100 000 Euro dotierte Ehrung gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen für Mediziner in Deutschland. Überreicht wird sie am 14. März in der Frankfurter Paulskirche - am Geburtstag des Namensgebers. Paul Ehrlich gilt als Begründer der modernen Chemotherapie gegen Krebs und bekam 1908 den Nobelpreis.

          Carl June, Perelman School of Medicine an der Universität Pennsylvania.
          Carl June, Perelman School of Medicine an der Universität Pennsylvania. : Bild: dpa

          Hinter der Immuntherapie steht die Idee, das eigene Immunsystems in Anschlag gegen die Tumorzellen zu bringen. Die Körperabwehr soll die entarteten Zellen zielsicher erkennen und sie zerstören. Allison (66) ist Biologe und Professor für Immunologie in Houston (Texas). June (61) ist Arzt und Professor für Immuntherapie in Philadelphia (Pennsylvania). „Beide haben Krebs für das Immunsystem sichtbar gemacht“, begründete der Stiftungsrat unter Vorsitz des Nobelpreisträgers Harald zur Hausen seine Entscheidung.

          Allison ist Pionier der sogenannten  „Checkpoint-Hemmung“ zur Behandlung fortgeschrittener Melanome. Dabei sorgt ein Antikörper dafür, dass die sogenannten T-Zellen des Immunsystems länger aktiv bleiben und nicht mehr von ihren eigenen Kontrollproteinen ausgebremst werden.June hat die „CART-19-Therapie“ gegen Leukämie entwickelt. Dabei bekommen die T-Zellen ein zusätzliches Eiweiß mit auf den Weg, das sie direkt zu den Leukämiezellen führt - „wie ein molekularer Spürhund“, wie eine Sprecherin der Stiftung erklärte.

          James Allison vom MD Anderson Cancer Center in Texas.
          James Allison vom MD Anderson Cancer Center in Texas. : Bild: dpa

          Beide Verfahren werden bereits klinisch eingesetzt: Für die Checkpoint-Hemmung gibt es zugelassene Medikamente, die CART-19-Therapie wird derzeit in Studien erprobt. Der mit 60 000 Euro dotierte Nachwuchspreis geht an Raja Atreya (39), Juniorprofessor am Universitätsklinikum Erlangen. Er erhält die Auszeichnung für ein neuartiges Diagnostikum, mit dem sich vorhersagen lässt, ob Patienten mit der Autoimmunerkrankung Morbus Crohn von einer bestimmten Therapie profitieren.

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