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Problembaum Pappel : Schnee im Mai

Lästig auf der Terrasse: Der flaumige Samen der Pappel Bild: Bildagentur-online/NPT-McPhoto

Wenn es jetzt weiß vom Himmel rieselt, ist nicht das Wetter schuld. Sondern der Pappelbaum. Sein Image ist ohnehin nicht das beste.

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          Zentimeterdick liegt das Zeug bei dreißig Grad überall herum. Die Rede ist vom Pappelschnee, der in diesen Tagen vom Wind herumgewirbelt wird. Man sagt auch Sommerschnee dazu. Pappelflaum oder Pappel-Baumwolle nennt es der Fachmann. Schaut man sich die faserigen weißen Knäuel genauer an, erkennt man darin kleine Samen, die bei Trockenheit und Wind kilometerweit verfrachtet werden können. Allergen sind die Fusseln übrigens nicht.

          Andreas Frey

          Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Fortpflanzung per Luftfracht ist eigentlich eine gute Idee der Natur. Sie garantiert maximale Verbreitung bei minimalem Transportaufwand. Je trockener die Luft und je stärker der Wind, desto weiter geht die Reise. Es gibt allerdings ein Problem: Zur Keimung der Samen hat die Natur Regen vorgesehen. Nur bei ausreichend hoher Bodenfeuchte löst sich der Pappelschnee auf und die Fruchtkapseln öffnen sich. Regen war im Wetterverlauf der vergangenen Tage allerdings kaum vorgesehen; vor allem im Osten herrscht bereits Trockenheit bei gleichzeitig großer Waldbrandgefahr, berichtet der Deutsche Wetterdienst in Offenbach. Die Folge: Die Pappelschneedecke wächst weiter.

          Denn Regen ist weiter nicht in Sicht. „Die ungewöhnlich heiße Maisonne wird die angespannte Lage in weiten Teilen Deutschlands weiter verschärfen“, warnt der Wetterdienst. Für die Feuerwehren ist das keine gute Nachricht. Schon mehrmals sind in den vergangenen Jahren Einheiten ausgerückt, weil sich Pappelsamen in der Sonne selbst entzündet hatten. Erst im vergangenen Sommer konnte die Feuerwehr im schwäbischen Deißlingen gerade noch einen größeren Waldbrand verhindern.

          Viele Freunde hat der Baum hierzulande nicht

          Das schlechte Image der Pappeln wird sich durch solche Nachrichten sicher nicht verbessern. Als minderwertig und scheußlich werden sie geschmäht, obendrein sei ihr Holz kaum etwas wert. Zudem, so heißt es, verdränge sie andere Bäume, verbrauche zu viel Wasser und knicke bei jedem Windstoß um. Viele Freunde hat die Pappel hierzulande jedenfalls nicht. Die Deutschen verehren ihre unsterbliche Eiche, sie vergöttern den Lebensbaum Linde, trinken gemütlich Bier unter Kastanien, aber die Pappel ist für viele ein klarer Fall für die Axt.

          Tatsächlich vergeht kein Monat, ohne dass irgendwo in Deutschland ganze Pappelalleen flachgelegt werden. Im April wurden in München auf einem Spielplatz gleich mehrere Exemplare gefällt, im März hatte es Pappelnreihen in Neu-Ulm und Plate erwischt. Häufigster Grund: die Sicherheit. Keine Gemeinde will riskieren, dass brüchige Pappeln zur Gefahr werden. Ein Schlüsselerlebnis, auf das sich viele Bürgermeister heute berufen, liegt drei Jahre zurück. Am Pfingstmontag 2014 wütete in Nordrhein-Westfalen der Orkan „Ela“. Im Düsseldorfer Hofgarten riss er einige Baumriesen um und mähte beinahe alle Pappeln nieder. Die zur Familie der Weiden gehörenden Gewächse werden seither kaum noch nachgepflanzt. Oder gleich prophylaktisch gefällt.

          Baumpfleger sprechen inzwischen von einer wahren Pappelhysterie. In Würzburg gab es vor drei Jahren Zoff, nachdem das Gartenamt 150 Pappeln an den Mainwiesen abgeholzt hatte. Die Behörde begründete den Kahlschlag mit der Gefahr möglicherweise abbrechender Äste. Würzburger Bürger hatten sich beschwert, weil sie für die Pflanzung der Bäume Anfang der siebziger Jahre gespendet hatten.

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