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Problembaum Pappel : Schnee im Mai

Nur die Kanadapappel bereitet wirklich Probleme

Tatsächlich zielt das landesweite Pappel-Bashing eigentlich nur auf eine einzige Art: die Kanadapappel. Populus canadensis ist eine Kreuzung aus Schwarzpappel (Populus nigra) und amerikanischen Verwandten (Populus deltoides), auffällig sind ihre karminroten Blütenkätzchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie in vielen Städten der Baum der Wahl, um die Lücken im Stadtbild möglichst rasch zu schließen. Auch im Wald und auf der Flur ersetzte die Pappel rasch jene Gehölze, die wegen der Brennmittelknappheit nach 1945 abgeholzt und verfeuert worden waren. Ihre Mutter, die in Mitteleuropa heimische Schwarzpappel, findet sich hingegen seit Jahren auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht. Deren Holz ist knubbelig und wächst nur langsam. Sie gedieh früher typischerweise in den heute längst begradigten Flussauen.

Ganz anders die Kanadapappel: Der Bastard gilt auch deshalb als Wirtschaftspappel, weil er leicht zu vermehren ist und schon nach einigen Jahren eine stattliche Figur abgibt. Dreißig Meter und mehr sind für die Kanadapappel jedenfalls kein Problem. Ihre Maximalhöhe erreicht sie schon nach vierzig Jahren. Einige Exemplare können bis zu zweihundert Jahre alt werden.

Pappelholz ist dabei durchaus begehrt. Zwar ist es weich und nur wenig druck- und zugfest, doch dafür lässt es sich gut verarbeiten. Zum Drechseln und Schnitzen ist es besonders geeignet, häufig wird es zu Schachteln, Kisten, Paletten und Streichhölzern verarbeitet, neuerdings auch zu Holzpellets und Hackschnitzeln. Die Holländer stellten ihre Holzschuhe meist aus Pappelholz her, geeignet ist es zudem zur Papierproduktion. Aus dem Pappelflaum werden außerdem besonders atmungsaktive Bettdecken gefertigt, unter denen man angeblich weder schwitzen noch frieren soll, weil ihre Isolationsfähigkeit die von Gänsedaunen noch übertrifft. Im Englischen heißt die Pappel deshalb auch Cottonwood, Baumwollbaum.

Mediterranes Flair für Preußen

Etwa dreißig Arten der Gattung Populus sind auf der Nordhalbkugel vertreten, weltweit gibt es rund 150 Arten. Die Espe (oder auch Aspe) gehört ebenfalls dazu, auf ihre bei jedem Lufthauch flatternden Blätter geht die Redewendung „zittern wie Espenlaub“ zurück. Tatsächlich sind ihre Blätter so geschnitten, dass Sonnenlicht besser ins Innere des Baums vordringen kann. Zitterpappeln können dadurch die Leistung der Photosynthese verbessern und bis zu zehn Prozent mehr Kohlenhydrate bilden.

Landschaftsprägend ist in Deutschland heute vor allem die Säulen- oder Pyramidenpappel, die Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Lombardei eingeführt wurde. Sie ist als Alleebaum verbreitet, findet sich häufig aber auch entlang von Bächen und Flüssen. An Feldrändern dienen die biegsamen und zähen Laubbäume als Windschutz. Ihre Säulenform verdanken sie ihrer spitzwinkligen Verastung, die knapp über dem Boden beginnt.

Nicht richtig ist, dass erst Napoleon die Säulenpappel hierzulande eingeführt habe, obgleich er deren Verbreitung vorantrieb. Seine Soldaten sollten im Sommer nicht in der prallen Sonne marschieren und sich im Winter besser in der verschneiten Landschaft orientieren können. Angetan von dem Baum waren nämlich schon die Preußenkönige Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm II. Weil er den Säulenzypressen ähnelt, kehrte damit etwas mediterranes Flair in Preußens Landschaftsgärten ein. Als jedoch eine Raupe ganze Reihen befiel, war es mit der Herrlichkeit lombardischer Pappeln schnell vorbei.

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