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Kletternde Papageien : Der Vogel mit drei Beinen

  • -Aktualisiert am

Multifunktionswerkzeug: Rosenköpfchen wissen mit ihren Schnäbeln deutlich mehr anzustellen, als nur Kerne zu knacken. Bild: Action Press

Papageien sind begnadete Kletterer. Für ihre waghalsigen Manöver nutzen sie nicht nur ihre Füße. Auch Schwanz, Kopf und Schnabel kommen zum Einsatz – und das in erstaunlich ausgereifter Weise.

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          Wer gerne klettert, würde sich zuweilen über ein zusätzliches Bein oder eine zusätzliche Hand durchaus freuen. Von der Natur ist das leider nicht vorgesehen. Papageien wissen sich jedoch anders zu helfen und setzen beim Klettern außer ihren Füßen auch ihren Schnabel ein. Unklar war bisher allerdings, ob sich der Vogel damit bloß festhakt oder ob er seinen Schnabel auch nutzt, um vorwärtszukommen. Dass Papageien ihren Kopf samt Schnabel tatsächlich wie ein drittes Bein verwenden können, haben kürzlich Wissenschaftler um Melody Young und Edwin Dickinson vom New York Institute of Technology College of Osteopathic Medicine in Old Westbury entdeckt.

          Als Forschungsobjekt dienten ihnen sechs Rosenköpfchen (Agapornis roseicollis). Dieser kleine, auch als Heimtier beliebte Papagei bevölkert in seiner südwestafrikanischen Heimat diverse Biotope, von Trockenwäldern und Savannen bis zu Halbwüsten. Seine Kletterkünste sind nicht nur im Geäst von Bäumen nützlich, wo es Samen und Früchte zu ernten gibt. Am Nest, das die Rosenköpfchen in Felsspalten anlegen, oder als Untermieter in den riesigen Gemeinschaftsnestern von Webervögeln sind solche Fähigkeiten ebenfalls gefragt.

          Um die Papageien beim Klettern zu beobachten, ließen Young und Kollegen ihre gefiederten Probanden über ein griffiges Brett laufen, das in unterschiedlichen Winkeln aufgestellt werden konnte. Bei einem Winkel von 45 Grad begannen die bergauf marschierenden Vögel, sich mit ihrem Schwanz abzustützen und gelegentlich auch ihren Schnabel einzusetzen. Wenn sie senkrecht in die Höhe steigen mussten, nahmen sie auf Schritt und Tritt immer Schwanz und Schnabel zu Hilfe.

          Der Schwanz wirkt nur als Stütze

          Auf ihrem Weg nach oben wurden die Papageien nicht nur gefilmt, sie passierten auch Messgeräte, die exakt registrierten, wie viel Kraft die Füße, Schwanz und Schnabel auf den Un­tergrund ausübten – und in welche Richtung. Wie einschlägige Analysen ergaben, wirkte der Schwanz erwartungs­gemäß nur als Stütze. Mit dem Schnabel stieß sich der Vogel dagegen wie mit den Beinen kräftig ab, um voranzukommen. Mit ebenso großer Kraft stabilisierte der Schnabel zugleich auch die Körper­haltung des Papageis („Proceedings of the Royal Society B“). Dabei leisteten Kopf und Schnabel fast genauso viel Arbeit wie ein Bein.

          In einigen deutschen Städten kann man Halsbandsittiche beim Klettern beobachten, wie hier in Heidelberg.
          In einigen deutschen Städten kann man Halsbandsittiche beim Klettern beobachten, wie hier in Heidelberg. : Bild: dpa

          Während ein Papagei eine senkrechte Wand hinaufklettert, schalten sich Kopf und Schnabel zu dem regelmäßigen Rhythmus der Hinterbeine dazu. Und zwar derart, dass nie bloß an einer einzigen Stelle Kontakt mit der Wand besteht, sondern immer an mindestens zwei Punkten gleichzeitig. Während Kopf und Schnabel gegen die Schwerkraft arbeiten, bringen sie den Papagei nicht nur auf seinem Weg nach oben voran. Sie verhindern auch, dass der Vogel nach hinten kippt. Dabei packen die Papageien im Verhältnis zum Körpergewicht mit ihrem „dritten Bein“ ähnlich kraftvoll zu wie kletternde Menschen oder Affen mit ihren Armen.

          Eine starke Nackenmuskulatur

          Papageienschnäbel können erfahrungsgemäß kräftig zubeißen, etwa um harte Nüsse zu knacken. Mit der dafür vorgesehenen Muskulatur können die Vögel wohl auch mühelos verhindern, dass sie von der Kletterwand purzeln. Damit sie dort außerdem vorwärts­kommen, sind jedoch die Nackenbeugemuskeln gefragt. Deshalb ist anzunehmen, dass diese Muskeln relativ zum Körpergewicht deutlich stärker sind als beispielsweise die Nackenmuskulatur des Menschen.

          Auch Spechte, Mauerläufer und viele andere Vögel können scheinbar ­mühelos senkrechte Baumstämme oder Felsen erklimmen. Doch außer den ­Papageien benutzt kein Vogel seinen Kopf samt Schnabel wie ein zusätzliches Bein. Wie es Papageien gelingt, diese Körperteile in den Bewegungsrhythmus der Beine zu integrieren, bleibt eine offene Frage. Vielleicht, so vermuten Young und Kollegen, haben sich dafür gar keine ganz neuen ­Verschaltungen zwischen Nerven und Muskeln ent­wickeln müssen. Dass sich der Kopf im Schrittrhythmus bewegt, ist für Vögel nämlich typisch.

          Besonders auffällig ist das etwa bei Tauben: Wenn sie um­herspazieren, nicken sie mit dem Kopf. Ihre Augen nehmen dadurch ­zeitweise eine konstante Position im Raum ein. Das ist wohl deshalb vorteilhaft, weil sich Bewegungen in der Umgebung schwerlich genau erfassen lassen, ­während man gerade flott unterwegs ist und das Blickfeld sich ent­sprechend mitbewegt. Womöglich haben Pa­pageien das übliche Kopfnicken so modifiziert, dass Kopf und Schnabel mit ihren Beinen optimal harmo­nieren.

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