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Paläontologie : Masken unter der Matte

Bild: F.A.Z.

Versteinerungen von Weichteilen im Sand sind äußerst rar.

          2 Min.

          Eigentlich dürften wir von der Ediacara- Fauna überhaupt nichts wissen. Denn was immer sie waren, ihre Körper müssen durchgehend aus Weichteilen bestanden haben. Gewöhnlich bleiben von Lebewesen vergangener Zeiten nur die harten, mineralischen Bestandteile erhalten, seien es Kalkgehäuse wie bei Muscheln, Opalgerüste wie bei den Kieselalgen - oder Knochen und Zähne aus Apatit wie bei Dinosauriern oder Neandertalern.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit organisches Gewebe Spuren hinterläßt, bedarf es besonderer Bedingungen. Vor allem muß der Organismus sehr schnell unter Luftabschluß geraten - und zunächst einmal bleiben. Fast immer sind Lebewesen, deren Weichteile fossil überliefert sind, durch den Vorgang ihrer Einbettung auch umgekommen - man denke an die Insekten im Bernstein oder an eine Moorleiche. Das dürfte auch für die Ediacara gelten. Allerdings finden sich ihre Fossilien ausschließlich in grobkörnigem Sandstein und seinen Abarten. Diese Wesen starben also im Sand und damit in der unter Erhaltungsgesichtspunkten so ziemlich ungünstigsten Umgebung, die sich denken läßt. Sand ist locker und gut durchlüftet, da hält sich auch ein dikker Menschenknochen nur Jahrzehnte.

          Irgend etwas war damals ganz anders

          Wie die wabbligen Leiber der Ediacara dort Abdrücke hinterlassen konnten, die mehr als eine halbe Milliarde Jahre überdauerten, war den Forschern lange ein ebenso großes Rätsel wie das ihrer stammesgeschichtlichen Zugehörigkeit - zumal in späteren Epochen nie wieder Lebewesen in grobem Sand versteinerten. Irgend etwas war damals im späten Präkambrium ganz anders.

          Viele Forscher glauben, daß es etwas mit den Biomatten zu tun haben muß. Anders als in späteren Zeiten (siehe „Aufstieg und Untergang“) waren die ediacarischen Meeresböden vielerorts von einer mehrere Millimeter dicken Matte aus Cyanobakterien verklebt. Diese Biomatte war die Heimstatt der Ediacara, und wie sie manchen von ihnen zur Ewigkeit verholfen haben könnte, dafür hat der australische Paläontologe James Gehling 1999 ein detailliertes Modell vorgeschlagen. Demnach versteinerten die Tiere dann, wenn sie - etwa während eines Sturms - samt ihrer Biomatte von einer Sandschicht bedeckt wurden, auf der sich ihrerseits sehr bald nach dem Ereignis eine neue Matte bildete. Diese sorgte für den Luftabschluß, unter dem das verschüttete Gewebe sich nun durch Bakterien zersetzte. Deren Aktivität setzte Schwefelwasserstoff frei, der mit den Eisenoxyden des Sandes zu Eisensulfid reagierte, welches sich in einer dünnen Schicht entlang der Oberfläche der gammelnden Biomasse absetzte und ihr sozusagen eine Totenmaske abnahm.

          Unklar ist noch, wie genau es zu den dreidimensionalen Abdrücken von Formen wie Pteridinium kam. Das Totenmasken- Modell funktioniert hier nur, wenn die Außenhaut dieser Organismen schon zu Lebzeiten mit Bakterien vergesellschaftet war. Um diese Prozesse aufzuklären, dazu bedarf es nun der Zusammenarbeit von Mikrobiologen und Paläontologen.

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