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Onkologie : Zwei Terabyte pro Patient

  • -Aktualisiert am

Wie prozessieren Sie diese Datenflut? Wie transportieren Sie erhobene Daten sicher von A nach B?

Eils: Für solche Fragen gibt es keine Standardlösungen, die müssen für die Krebsmedizin erst entwickelt werden. Derzeit stellen weltweit erst fünf bis zehn Standorte die logistische Infrastruktur für eine genombasierte Onkologie bereit. Heidelberg ist einer dieser Standorte. Alle Zentren leisten Pionierarbeit, was Knowhow und Logistik von Big Data in der Krebsforschung und Therapie angeht. Wir Bioinformatiker brauchen mehr Unterstützung im IT-Bereich. Bei Firmen wie Twitter kümmern sich hundertmal mehr Mitarbeiter um die riesigen Datenströme, als unser Team zur Verfügung hat, obwohl unser Datenaufkommen durchaus vergleichbar ist. Das Investitionsvolumen im IT-Bereich liegt in einem Universitätsklinikum oder aber auch am DKFZ im Bereich von zwei bis drei Prozent. Die Herausforderungen von Big Data in der Onkologie werden immens unterschätzt, in Zukunft müsste man wahrscheinlich eher zehn Prozent in IT investieren.

Und der Datenschutz?

Eils: Mit den ethischen und juristischen Fragen beschäftigen wir uns seit Jahren. Der Standort Heidelberg hat mit dem interdisziplinären Marsilius-Projekt klare Richtlinien entwickelt. Auch wenn Patienten einer diagnostischen Sequenzierung zustimmen, würden wir niemals ihre kompletten Genomdaten an Dritte herausgeben. Wir können die Ergebnisse von Analysen und Befunden mit Zustimmung der Patienten anonymisiert für wissenschaftliche Forschung veröffentlichen, aber die Genomsequenzdaten bleiben unter Verschluss.

Wie gehen die Patienten mit diesem Thema um?

von Kalle: Die Patienten kommen mit einer Krebserkrankung und wollen mit Nachdruck den Fortschritt voranbringen und wenn möglich von ihm profitieren. Sie werden umfassend über die Risiken und Möglichkeiten aufgeklärt und erhalten bestmöglichen Datenschutz. Ein Medizinethikprojekt geht hier der Frage nach, welche Problemstellungen und Ergebnisse die Patienten wirklich verstehen, wie sie damit umgehen und welcher Teil unserer Kommunikation verbesserungsfähig wäre.

Wann ist die vollständige Erbgutanalyse derzeit sinnvoll?

von Kalle: Zum Beispiel um das Mutationsspektrum der Krebsleiden von Kindern zu erkennen. In Deutschland werden Onkologen im Rahmen des Inform-Projektes für jedes Kind eine Komplettsequenzierung anbieten, wenn nach einer ersten Behandlung ein Rückfall auftritt. Das betrifft rund 500 bis 700 Kinder jährlich. Handlungsbedarf sehen wir außerdem bei Krebsformen, die bisher kaum auf Behandlungen ansprechen.

Eils: Tumoren der Bauchspeicheldrüse etwa. Trotz aller Forschung gibt es keine gezielten Therapien, die Überlebensrate ist schlecht. Wir haben daher angefangen, das Erbgut von möglichst allen Patienten am Universitätsklinikum Heidelberg komplett zu sequenzieren, wenn ihnen ein solcher Tumor chirurgisch entfernt wurde.

Es finden sich in jeder Zelle unzählige Mutationen. Wie lernt man zu unterscheiden, was die Tumoren antreibt?

Eils: Das ist eine entscheidende Frage. Deshalb sind die frühkindlichen Tumoren sehr interessant für uns, weil sie noch kaum Kontakt zur Umwelt hatten. Diese Krebszellen zeigen also nur wenige, oft typische Veränderungen. Bei einer 70-jährigen Brustkrebspatientin hingegen ist die Situation schwieriger, in ihrem Leben sind ihr schon einige mutagene Faktoren begegnet.

Kann Big Data bei älteren Patienten nichts ausrichten?

von Kalle: Oh doch. Bei Lungenkrebs beispielsweise haben Mutationsmuster die Behandlung verändert. Seit drei Jahren kann man vielen Lungenkrebspatienten eine genetische Diagnostik anbieten, die bestimmte Subgruppen identifiziert und entsprechende Therapien bestimmt. Man entwickelt heute Medikamente auf der Basis der Biologie der Krebszellen, weil man erkennt, welcher Signalweg an- oder abgeschaltet ist oder welches Reparatursystem blockiert wird.

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