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Öko-Katastrophe in Nicaragua? : Ein Megakanal im Zeichen des Drachen

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Interessant auch die Stimme eines nicaraguanischen Ingenieurs: Nicaragua sei eines der seismisch instabilsten Länder der Welt, in denen Erdbeben und Vulkanausbrüche häufig sind. Möglicherweise werde es notwendig, Dämme zu errichten, um den Wasserspiegel des Nicaraguasees zu regulieren, damit genügend Wasser vorhanden ist, um die Schleusen zu betreiben und die Fahrrinne tief genug zu halten. Auch solche Infrastrukturmaßnahmen würden Gefahren mit sich bringen. Positiv wäre, dass aufgeforstet würde, um die Erosion der Hügel zu verhindern.

Havarien von Schiffen im Nicaragua-kanal oder gar Ölverschmutzungen wären in dem Süßwassersee ein Desaster. Für die Fischerei ebenso wie für den Tourismus, für die Bewässerung, aber insbesondere auch für die Trinkwasserversorgung, denn Städte wie Granada, Rivas und San Carlos beziehen ihr Wasser aus dem See. Der Gatúnsee in Panama hingegen ist ein künstlicher See, an dem keine großen Städte liegen.

Der Nicaraguakanal wird so breit sein müssen, dass zwei Postpanmax Schiffe gefahrlos aneinander vorbeifahren können, also wenigstens 500 Meter breit und 28 Meter tief. Er wird auch durch die parallel führende Straße, Eisenbahnlinie und Ölpipeline das Land zerteilen. Damit werden gigantische Brücken im Westen notwendig werden. Aber auch für die Tierwelt wäre die Kanalzone ein Hindernis, das den Genfluss verhindert. Austausch von Genen von Tierpopulationen auf beiden Seiten des Kanals würden erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Dies wäre insbesondere für Säugetiere, Amphibien, Reptilien, aber auch Fische der Fall.

Klar ist: Vor dem Bau eines solchen Megaprojekts muss eigentlich eine ergebnisoffene, internationale Machbarkeitsstudie durchgeführt werden - und nicht erst, nachdem eine Konzession schon vergeben worden ist. Es müssen alternative Routen evaluiert werden, geologische Studien durchgeführt werden, alternative Technologien, aber auch die sozialen Auswirkungen in Betracht gezogen werden. Die ökologischen Risiken der verschiedenen Alternativen müssen erforscht und abgewogen werden. Dieser Kanal wird, wie der Panamakanal von 1914, auf ein Jahrhundert geplant sein. Wenn sich die Prognosen des Klimawandels bewahrheiten, haben die Kanalbauer weitere weitreichende ökologische und ökonomische Probleme zu bedenken. Der Meeresspiegel wird sich in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich erhöhen und wohl auch die Regenfälle verstärken. Dies muss daher bei der Planung der Dämme, Schleusen und der Zufuhr von genügend Wasser für den Nicaraguasee bedacht werden. Schon jetzt sind Trinkwasser und Abwasserreinigung eines der Hauptprobleme Nicaraguas und ganz Mittelamerikas -, ein Problem, für dessen Lösung sich Deutschland mit seiner Entwicklungshilfe zum Glück schon sehr konstruktiv engagiert.

Axel Meyer ist Professor für Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Konstanz und erforscht seit Mitte der achtziger Jahre die Fische Nicaraguas.

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