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Öko-Katastrophe in Nicaragua? : Ein Megakanal im Zeichen des Drachen

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Sicherlich wäre ein chinesisches Engagement auch ein Druckmittel, um Nicaragua dazu zu bewegen, Taiwan nicht länger diplomatisch anzuerkennen. Was auch immer die chinesischen Interessen sein mögen, so ein Megaprojekt verspricht jedenfalls Arbeitsplätze und größeren Wohlstand für Nicaragua. Allerdings muss man sich fragen, ob die Chinesen nicht auch gleich Arbeiter und nicht nur Ingenieure mitbringen werden. In Afrika sind sie jedenfalls keine beliebten Arbeitgeber, denn sie behandeln ihre Arbeiter schlecht und zahlen niedrige Löhne.

Was die ökologischen Auswirkungen des Kanals betrifft und die Trinkwasserversorgung, herrscht noch absolute Unklarheit, denn es gibt noch keine ökologischen Untersuchungen zu dem Kanal. Die von HKND damit beauftragte Firma soll innerhalb weniger Monate bis Mai 2014 einen Bericht vorlegen, so dass mit dem Bau einen Monat später begonnen werden kann. Derartige Studien dauern normalerweise mehrere Jahre und ziehen verschiedene ökonomische und ökologische Alternativen in Betracht, wenn sie ernsthaft ausgeführt werden. Aber das Ergebnis der von den Erbauern selbst in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie scheint leicht vorhersehbar, darüber sind sich alle ernsthaften Wissenschaftler Nicaraguas einig.

Die meisten armen Menschen, mit denen ich sprach, waren verhalten optimistisch und hoffnungsvoll. Die kritischen Stimmen kamen von Fischern am Nicaraguasee. Sie verstehen, dass die Fische und damit ihre Lebensgrundlage in Gefahr wären, wenn Superfrachter ihren flachen See durchfurchen würden. Kritik kommt auch von einer ausgebildeten Mittelschicht, die glaubt zu erkennen, dass sich eher die Politiker und Geschäftsleute Nicaraguas bereichern und den Reichtum ihrer Familien für Generationen auch juristisch absichern wollen. Solche Stimmen sind privat zu hören, aber auch in Teilen der Presse Nicaraguas, die der Regierung der Sandinisten nicht nahesteht.

Nicaragua ist nicht der Privatbesitz von Daniel Ortega und seiner Familie, auch wenn sein Clan mittlerweile der wohl zweitreichste Nicaraguas ist. Der Sandinistenführer wurde gerade vor einigen Jahren entgegen der Konstitution wiedergewählt, und vor wenigen Wochen wurde schließlich nolens volens die Konstitution geändert, um potentielle künftige weitere Wiederwahlen zu legitimieren.

Der Nicaraguasee wäre sicherlich das Ökosystem, das durch den Kanal am stärksten gefährdet wäre. Schon jetzt sind viele der berühmten und ehemals typischen Fische des „Cocibolca“ verschwunden und dafür andere eingeschleppt worden. Einen der riesigen Sägefische oder auch einen archaischen Knochenhecht habe ich dort in 30 Jahren nicht gesehen. Auch Bullenhaie, an das Süßwasser angepasste Haie, sind extrem selten geworden; man fängt ihnen die Beute weg. Dafür sind Tilapias - bekannt als Viktoriabarsche - aus den Aquakulturzuchten entkommen und verdrängen die einheimische Fischfauna. Tilapias sind eine Pest, die sich überall in den Tropen verbreitet. Sie sind aggressiv, pflanzen sich schnell fort und haben schon so manche der über hundert Süßwasserfischarten Nicaraguas in die Bredouille gebracht. Schiffsverkehr birgt immer die Gefahr des Einschleppens von invasiven Arten.

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