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Öko-Katastrophe in Nicaragua? : Ein Megakanal im Zeichen des Drachen

  • -Aktualisiert am
Nicaraguas Präsident Daniel Ortega war der erste lateinamerikanische Staatschef, der Edward Snowden eine Aufnahme anbot
Nicaraguas Präsident Daniel Ortega war der erste lateinamerikanische Staatschef, der Edward Snowden eine Aufnahme anbot : Bild: AP

Der Nicaraguakanal wäre allerdings mehr als dreimal so lang wie der etwa 85 Kilometer lange Panamakanal. Es dauert je nach Wetter und Verkehr meist nur 15 Stunden, den Panamakanal zu durchqueren. Warum sollten Schiffe überhaupt den Nicaraguakanal benutzen, wenn es mehr als drei Tage dauern würde, ihn zu durchqueren? Zwar liegt er weiter nördlich und spart so etwa 800 Kilometer Fahrt, aber der Panamakanal erspart die lange Fahrt um das Kap Horn und ist die wichtigste Verbindung zwischen der Ost- und Westküste Nordamerikas, aber auch für Güter aus Ostasien an die amerikanische Ostküste. So sind sowohl die Vereinigten Staaten als auch China seine wichtigsten Nutzer. Die Reiselänge zwischen den Küsten wird durch den Kanal um etwa 15 000 Kilometer und etwa drei Wochen Fahrtzeit verkürzt.

Es gibt jetzt schon eine ganze Reihe von riesigen Öltankern und Containerschiffen, die zu groß sind, um durch die Schleusen des Panamakanals zu passen. Die Schiffe der PanMax-Klasse, nach den Ausmaßen der hundertjährigen Schleusen des Panamakanals benannt, sind Schiffe einer Größe, die es ihnen gerade noch erlaubt, mit ein paar Handbreit Wasser in den Schleusen und mit anderthalb Metern unter dem Kiel durch den künstlichen Gatúnsee zu fahren.

Allerdings wird der Panamakanal gerade für etwa sechs Milliarden Dollar modernisiert. Er wird verbreitert und vertieft, und nach der für 2015 geplanten Fertigstellung werden die Schleusen so groß sein, dass dann auch Postpanmax-Schiffe den erneuerten Panamakanal passieren können. Die neuen Schleusengrößen und auch die Vertiefung der Fahrrinne im Kanal und im künstlich aufgestauten Gatúnsee, der das Wasserreservoir für den Betrieb der Schleusen liefert, werden es erlauben, dass Schiffe von bis zu 366 Meter Länge, 49 Meter Breite und 15,2 Meter Tiefgang durch den Panamakanal fahren können. Die Schleusen des Nicaraguakanals werden natürlich auf die Postpanmax-Größe ausgelegt sein. Aber gibt es wirklich genügend Frachtverkehr, um beide Kanäle auszulasten und wirtschaftlich tragbar zu machen? Die „New York Times“ zitierte Noel Mauer von der Harvard University Business School, einem Panamakanal-Experten, mit den Worten: „Ich würde ganz einfach sagen: Das ist ein echt schlechtes Investment.“

Noch ist nicht klar, wer genau hinter HKND steht. Es ist zu vermuten, dass dies nicht ausschließlich Wang Jing ist, der kürzlich Mobilfunkkonzessionen in Nicaragua aufkaufte, es aber immer noch nicht schaffte, ein Netz aufzubauen. Böse Zungen in Nicaragua fragen sich, wie so jemand dann einen Kanal bauen kann. Gerüchtehalber steht die chinesische Regierung hinter Herrn Wang und HKND, was sowohl die Finanzierung glaubwürdiger als auch die Durchführung wahrscheinlicher machen würde. Vielleicht stecken aber nicht ausschließlich wirtschaftliche Interessen eines Geschäftskonsortiums und der herrschenden Klasse in Nicaragua hinter dem Kanal, sondern auch geopolitisches Kalkül Chinas? Beispielsweise kurze und sichere Wege für venezuelanisches Öl nach China?

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