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Öko-Katastrophe in Nicaragua? : Ein Megakanal im Zeichen des Drachen

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Als ich hörte, dass die Chinesen diesen Kanal bauen wollten, läuteten alle Alarmglocken in meinem Kopf. Ich forsche nicht nur seit fast 30 Jahren an den Fischen Nicaraguas, sondern auch schon fast genauso lange in Afrika und sehe mit Bestürzung, wie China sich dort ausbreitet und verhält. Besonders ominös ist, dass das Gesetz zum Bau des Kanals festlegt, dass die Erbauer und Betreiber des Kanals nicht für die Konsequenzen, also auch nicht für Umweltkatastrophen während des Baus oder des Betriebs, belangt werden können.

Nicaraguasee
Nicaraguasee : Bild: Axel Meyer

Die Planung der HKND lässt den Kanal in „Brito“ am Pazifik beginnen. Bei meiner Suche nach Brito vor wenigen Wochen gab es dort nicht viel mehr zu finden als einige Hütten und eine von einem Wachmann bewachte Schranke, die über Privatland zu dieser Ansiedlung führt. Dann geht der Kanal etwa entlang des Rio Brito, eines nicht wirklich sehr beeindruckenden größeren Baches etwa 20 Kilometer durch den Isthmus von Rivas bis Las Lajas zum Nicaraguasee, dem mit über 8250 Quadratkilometern nach dem Titicacasee größten See Lateinamerikas. In dem flachen See, mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 13 Metern, wird die Route südlich um die wunderschöne Ometeppe-Insel herumgeführt und am Ostufer wahrscheinlich bei dem Städtchen Puerto Morrito, wo der Präsident Nicaraguas, Daniel Ortega, ein Haus besitzt, nach Osten führen, zunächst durch den Fluss Rio Oyate und weiter in Richtung Atlantischen Ozean. Auch der Rio Oyate ist in der Trockenzeit leicht zu Fuß zu durchqueren. Wo genau der Kanal östlich des Nicaraguasees verlaufen wird, ist noch nicht bekannt. Auch der Hafen am Atlantik steht noch nicht fest, wahrscheinlich wird es Bluefields werden, wo Englisch gesprochen wird und sich ehemalige karibische Sklaven angesiedelt haben. Noch gibt es keine Straße, die bis zur Ostküste Nicaraguas führt.

Dass die historisch oft diskutierte Route durch den San-Juan-Fluss, der am südöstlichen Ende bei der Stadt San Carlos am Nicaraguasee beginnt und bis in die Karibik führt, nicht gewählt werden wird, steht fest. Das geht auf den Einspruch des Nachbarlands Costa Rica zurück, zu dem das Südufer des Flusses gehört. Das immerhin ist ein Segen, denn an diesem Fluss, hauptsächlich an seinem Nordufer, erstreckt sich ein noch ursprüngliches Naturgebiet mit beeindruckender Artenvielfalt.

Der Traum, entlang des gesamten Ostens Mittelamerikas einen natürlichen Korridor erhalten zu haben, wird mit dem Kanal endgültig ausgeträumt sein. Denn die Waldrodungen für Ackerbau haben auch schon den noch dünn besiedelten Osten Nicaraguas nicht verschont, und nur im Eingeborenengebiet im äußersten Süden Nicaraguas ist die Natur noch fast unberührt. Falls die Route doch südlich verlegt wird, wären die ökologischen Auswirkungen verheerender, denn die Eingeborenengebiete der Indio Maíz würden dadurch beeinträchtigt. Die indianischen Ureinwohner des Ostens Nicaraguas sind nicht zu Rate gezogen oder überhaupt gefragt worden, was sie davon halten würden, wenn ein Kanal ihr Land zerteilt. Ihre Gebiete sind die noch größten zusammenhängenden Regenwälder Nicaraguas und vielleicht ganz Mittelamerikas und es wäre eine ökologische Tragödie, wenn diese Route gewählt werden würde. HKND und Nicaragua haben große Pläne. Denn es soll nicht nur ein Kanal gebaut werden, sondern auch eine Eisenbahnlinie und eine Ölpipeline dazu. Ferner Häfen und Freihandelszonen an beiden Enden des Kanals und auch noch ein internationaler Flughafen. Das Land erhofft sich viele Arbeitsplätze durch den Bau und den Betrieb sowie Einnahmen durch die Kanalgebühren. Zurzeit erzielt Panama etwa zwei Milliarden amerikanische Dollar jährlich mit dem Betrieb des Panamakanals.

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