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Notwendigkeit von Erholung : Die Urlaubsformel

  • -Aktualisiert am

Was machen diese Menschen instinktiv richtig? Sie haben kein Handy am Ohr Bild: © Martin Parr/MAGNUM PHOTOS

In die Berge oder ans Meer? Das sind Fragen, die sich jedes Jahr neu stellen. Und die gar nicht so entscheidend sind. Gibt es überhaupt den perfekten Urlaub? Auch Unternehmen erkennen inzwischen die Notwendigkeit von der Erholung ihrer Angestellten.

          Sechs Wochen Sommerferien! Mit der Zeugnisübergabe begann die große Freiheit: kein Stundenplan, keine Hausaufgaben, keine Klassenarbeiten. Sechs Wochen lang Pause - eine gefühlte Ewigkeit. Heute, angekommen in der Arbeitswelt, denken viele voller Wehmut zurück an diese unbeschwerte Zeit, die es so vielleicht nur im Grundschulalter gibt. Der Sommerurlaub umfasst keinen Monat mehr, der E-Mail-Account gönnt einem eigentlich nie Ruhe. Trotzdem soll sich der Mensch ja erholen, um anschließend wieder motiviert und produktiv zu sein. Bloß wie stellt man das an? Gibt es dafür ein Rezept?

          Ernüchternd klingt zunächst, was Wissenschaftler herausfanden: „Die Effekte sind in der Regel nach zwei bis drei Wochen wieder weg, wenn nicht sogar früher“, sagt Gerhard Blasche, Assistenzprofessor am Institut für Umwelthygiene am Zentrum für Public Health der Universität Wien. „Egal, ob es sich um eine Arbeitspause, einen Urlaub oder sogar ein Sabbatical handelt.“ Urlaub und Erholung sind für Blasche seit Jahren Themen seiner Forschungsarbeit, und er kommt zu dem Schluss, dass es sinnvoller ist, mehrmals im Jahr kürzere Pausen einzulegen, als etwa alles am Stück zu nehmen. Schon in den ersten drei Tagen eines Urlaubs verbessern sich Schlaf und Stimmung erheblich, nach einer Woche ist das Hochgefühl erreicht. Das ließe sich mehrmals im Jahr genießen, zumal „immer das Risiko besteht, dass der Urlaub nicht so schön ist, wie erhofft“, sagt Jessica de Bloom, Psychologin an der Universität im finnischen Tampere. Auch sie rät, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Man könnte sich gleich auf den nächsten freuen, sollte er diesmal misslingen.

          Ein Großteil der Deutschen verreist allerdings lieber lange, auch ohne die Selbstverwirklichung in der Ferne zu suchen. In der Tourismusanalyse 2014 der Stiftung für Zukunftsfragen gaben 61 Prozent der Befragten an, dass eine längere Reise für sie unverzichtbar ist. Nur etwa ein Drittel verreist lieber kürzer, dafür öfter pro Jahr. Allerdings nimmt die Reisedauer insgesamt ab: 1980 lag sie im Durchschnitt noch bei rund 18 Tagen, heute verreisen die Deutschen nur knapp 12 Tage. Was auch eine Frage der finanziellen Mittel ist: 31 Prozent der Befragten, die ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1500 Euro besaßen, hatten 2013 eine mindestens fünftägige Reise unternommen. Lag das Einkommen über 3500 Euro waren es 81 Prozent. Im Schnitt ließ man sich die Ferien 1062 Euro kosten.

          Urlaub soll wieder leistungsfähiger machen

          „Wenn man ein Hobby auslebt oder das Buch liest, das schon seit Wochen auf dem Nachttisch liegt, kann man sich auch zu Hause erholen. Man muss nicht ans andere Ende der Welt fahren“, sagt Verena Hahn, Juniorprofessorin für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Mainz. Dennoch gesteht sie ein, dass es „mit einem Tapetenwechsel leichter gelingen kann, den Kopf freizubekommen“. Und Abstand vom Beruf zu gewinnen.

          Dabei spielt es offenbar keine Rolle, ob man ans Meer oder in die Berge fährt. Selbst die Gestaltung hält Jessica de Bloom für zweitrangig: „Meine Studien haben gezeigt, dass es nicht wichtig ist, ob man aktiv ist oder lieber zwei Wochen faul am Strand liegt.“ Sie untersuchte beispielsweise, ob sich die Werte für Gesundheit und Wohlbefinden unterscheiden, je nachdem, ob jemand sich im Urlaub eher physischen und sozialen Aktivitäten widmet oder passiv bleibt. Auf einer Skala von eins bis zehn gaben ihre Studienteilnehmer unter anderem an, „wie gut ihre Gesundheit heute ist“ oder „wie zufrieden sie mit dem heutigen Tag sind“. Wichtig schien nur, „dass man genau das tut, wozu man Lust hat“, sagt de Bloom.

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