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Physik-Nobelpreis 2019 : Antworten auf die ganz großen Fragen unserer Existenz

Die Auswertung dieser Strahlung liefert so die Grundlage dafür, dass wir heute über ein kosmologisches Modell verfügen, das viele unabhängige astronomische Beobachtungen mit hoher Genauigkeit in einem konsistenten Weltbild integrieren kann– an dessen Entwicklung John Peebles vielfältig Anteil hatte. Bekanntlich hat es bislang aber noch mit einem Schönheitsfehler zu kämpfen: Nur rund fünf Prozent aller Energie und Materie im Kosmos sind durch diejenige Materieform gegeben, die wir kennen und verstehen. Der Rest ist Dunkle Materie (rund 27 Prozent) und Dunkle Energie (rund 68 Prozent), beide sind unverstandene Phänomene. Schlimmer noch: sie haben in unseren derzeit akzeptierten Theorien des Mikrokosmos keinen Platz. Beide haben aber klare Spuren in der kosmischen Hintergrundstrahlung hinterlassen, und nicht nur da. Auch auf kleineren Skalen weisen viele unabhängige astronomische Beobachtungen auf ihre Existenz hin, ohne bislang aber zur Klärung ihrer genauen Natur geführt zu haben. Die Ehrung Peebles, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Glaubwürdigkeit dieser beiden Entitäten zu stärken, ist damit ein klares Bekenntnis zum derzeitigen kosmologischen Modell, das angesichts seiner ontologischen Leerstellen immer wieder auch starker Kritik ausgesetzt ist.

Der Physik-Nobelpreis 2019 wird an die Astrophysiker James Peebles, Michel Mayor und Didier Queloz verliehen.

In kosmologischer Perspektive erscheinen unsere irdischen Maßstäbe zwar winzig und unbedeutend. Dennoch treibt uns die Frage, wie einzigartig unsere Existenz sein mag, genauso um, wie die Frage nach dem großen Ganzen des Kosmos. Auch die Suche nach fremden Welten und unbekannten Lebensformen ist eine, die erst im vergangenen Jahrhundert den Sprung aus dem Reich der schöngeistigen Spekulation in das der Empirie geschafft hat. Die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf, die sich die zweite Hälfte des diesjährigen Preises teilen, waren 1995 die ersten, die einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckten, der einen unserer Sonne ähnlichen Stern umkreist. Mit dem Haute-Provence Observatorium im Süden Frankreichs meisterten sie die enorme technologische Herausforderung, den Einfluss eines Jupiter-ähnlichen Planeten, genannt 51 Pegasi b, auf die Bewegung seiner Heimatsonne nachzuweisen. Dieser Einfluss zeigt sich in periodischen Schwankungen des Sterns entlang der Sichtlinie, die wiederum anhand winziger Verschiebungen des stellaren Spektrums nachgewiesen werden können. 51 Pegasi b umkreist seine Sonne alle 4,23 Tage in einer Entfernung, die nur einem Hundertstel derjenigen zwischen Jupiter und unserer Sonne entspricht.

Die Entdeckung war nur der Beginn der Entzauberung irdischer Einzigartigkeit und versetzte in den folgenden Jahrzehnten ein ganzes Forschungsfeld in Goldgräberstimmung. Neue Methoden wurden zum Aufspüren fremder Planeten entwickelt, wie die Transitmethode, die die kurzzeitige Verdunkelung des Heimatsterns durch den vor ihm vorbei ziehenden Planeten nachweist. Neue Messinstrumente und Satelliten wurden entwickelt. Heute kennen wir mehr als 4000 ferne Planeten, viele davon der Erde nicht unähnlich. Der nächste Schritt wird sein, in ihren Atmosphären nach chemischen Signaturen von Leben zu suchen. Der diesjährige Physik-Nobelpreis zeigt eindrucksvoll: Jede Teilantwort auf die fundamentalsten Fragen unserer menschlichen Existenz verweist wiederum auf vielfältig Offenes und Unverstandenes. So war es immer, und so wird es wohl auch weiterhin sein.

Der Exoplanet 51 Pegasi b in künstlerischer Darstellung. Für seine Entdeckung wurden Michel Mayor und Didier Queloz mit dem Nobelpreis geehrt.

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