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Auszeichnung : Friedensnobelpreis geht an Anti-Atomwaffen-Kampagne

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Glückliche Nobelpreisträger: Ican-Generalsekretärin Beatrice Fihn und Mitarbeiter Daniel Hogstan mit einem Banner ihrer Organisation. Bild: AFP

Das Nobelpreiskomitee zeigt sich in diesem Jahr politisch auf der Höhe der Zeit: Es hat die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen ausgezeichnet.

          ICAN (International Campaign for the Abolition of Nuclear Weapons oder zu deutsch Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen) ist der Preisträger der Friedensnobelpreises 2017. Bislang ist die Organisation noch recht unbekannt. Die Kampagne ist erst zehn Jahre alt und setzt sich selbst zum Ziel, der Öffentlichkeit die Gefahr der aus dem Kalten Krieg verbleibenden Atomwaffen ins Bewusstsein zu rufen und ihre Verbreitung einzudämmen.

          Die Kampagne ist ein Bündnis aus etwa 450 Organisationen und Friedensgruppen, die sich für Abrüstung engagieren. Die Leitung der Organisation von ICAN hat eine gewisse Startup-Atmosphäre: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35.

          Einen ihrer größten Erfolge feierte ICAN in diesem Jahr, als die Vereinten Nationen auf das Werben von ICAN hin ein Abkommen zum Verbot von Atomwaffen angenommen haben. Der Vertrag verbietet es den Unterzeichnerstaaten, Atomwaffen zu testen, zu entwickeln, zu produzieren und zu besitzen.

          Über 50 Staaten haben den Vertrag bereits unterzeichnet. Die Nato-Mitgliedsstaaten, darunter die Bundesrepublik, erklärten jedoch geschlossen, den Vertrag abzulehnen. Die Nato bleibe ein atomares Bündnis, solange es auf der Welt Atomwaffen gebe, hieß es zur Erläuterung.

          Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) vor der amerikanischen Botschaft in Berlin mit Masken des nordkoreanischen Machthabers Jong-un (r) und des Präsidenten Trump (13.09.2017)

          Für ICAN ist der Vertrag dennoch ein Erfolg, denn er setze auch Regierungen unter Druck, die ihn nicht unterzeichnen, so ICAN. Für Generalsekretärin Fihn ist die Sache einfach: „Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden“, sagte sie der dpa vor der Preisverkündung.

          Die Organisation erhalte die Auszeichnung für „ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken“, sagte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo. ICAN habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffen bemüht.

          Nach den letzten Atom- und Raketentests wird damit ein deutliches Signal nach Nordkorea gesendet. Aber auch in Richtung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der derzeit das Atom-Abkommen mit dem Iran in Frage stellt.  Das Nobelpreiskomitee will die Auszeichnung ausdrücklich als Ermutigung für Ican verstanden wissen, ihre wichtige Arbeit fortzuführen.

          2016 hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Preis bekommen. Er wurde für sein langes Ringen um ein Ende des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in seinem Land ausgezeichnet. Der Nobelpreis hatte den ins Stocken geratenen Friedensprozess noch weiter vorangetrieben.

          In diesem Jahr waren 215 Personen und 103 Organisationen nominiert. Öffentlich gemacht wird die Liste erst in 50 Jahren. Einige Namen wie etwa Papst Franziskus, die syrischen Weißhelme und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas waren trotzdem vorab bekannt geworden. Unter den Kandidaten waren auch der amerikanische Präsident Donald Trump und sein russischer Kollege Präsident Wladimir Putin.

          Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch verliehen.

          Die Preise gehen auf Nobels Testament zurück. Darin hatte der Dynamit-Erfinder festgelegt, dass derjenige geehrt werden solle, der „am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen“ gewirkt hat. Wieso Nobel den Preis als einzigen nach Oslo verlegte, ist nicht bekannt.

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