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Ministerpräsident Äthiopiens : Friedensnobelpreis für Abiy Ahmed

  • Aktualisiert am

Ist in Afrika der Mann für den Frieden: Abiy Ahmed Bild: Reuters

Die Nobeljury hat den Ministerpräsidenten von Äthiopien mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Abiy Ahmed ist es gelungen, nach Jahren des Konflikts Frieden mit Äthiopiens bitterem Rivalen Eritrea zu schließen.

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          Seit seinem Amtsantritt am 2. April 2018 hat der Ministerpräsident Äthiopiens, Abiy Ahmed, Frieden mit dem einstigen Erzfeind Eritrea geschlossen, Tausende politische Gefangene frei- und verbotene Parteien wieder zugelassen. Dafür war der 43 Jahre alte Politiker bereits mit dem Hessischen Friedenspreis geehrt worden. Nun wurde ihm auch die wichtigste politische Auszeichnung der Welt zuerkannt, der Friedensnobelpreis. Das gab das Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt.

          Der reformorientierte Regierungschef werde „für seine Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit und insbesondere für seinen entschlossenen Einsatz zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem benachbarten Eritrea“ geehrt, erklärte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen.

          Für Abiy Ahmed ist der diesjährigen Friedensnobelpreis nach Angaben seines Büros ein Ansporn für die Fortsetzung seiner Friedensarbeit. „Wir laden alle Äthiopier und Freunde Äthiopiens ein, sich weiter auf die Seite des Friedens zu stellen“, heißt es in einer über Twitter verbreiteten Erklärung. Der Preis sei auch ein kollektiver Gewinn für die Äthiopier.

          Abiy Ahmed gilt als ein Hoffnungsträger für ganz Afrika. Doch sein Versöhnungskurs ist auch umstritten. Die Furcht wächst, dass statt Frieden Bürgerkrieg die Folge sein könnte. Denn die Gewalt im Vielvölkerstaat Äthiopien nimmt wieder zu – und richtet sich auch gegen den Regierungschef.

          Abiy Ahmed wusste offenbar vorher nichts von Auszeichnung

          Die Nobeljury hat in ihrer Begründung für die Auszeichnung darauf hingewiesen, dass sie die Friedensbemühungen des äthiopischen Ministerpräsidenten bestärken möchte und dass sie den vergleichsweise jungen Preisträger noch am Anfang seiner politischen Karriere sieht. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe wusste Abiy Ahmed noch nichts von seiner Auszeichnung, offenbar hatte die Jury ihn nicht rechtzeitig vorher erreicht.

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) teilte am Freitag mit, Abiys „Mut und seine
          Weitsicht sind Beispiel und Vorbild weit über Afrika“. Der Politiker habe in kürzester Zeit
          Entwicklungen auf den Weg gebracht, die niemand für möglich gehalten habe, sagte Maas. „Äthiopien und seine Nachbarländer können sich auf ihrem Weg weiterhin der Unterstützung Deutschlands sicher sein.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) schrieb an Abiy: „Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees ist eine Würdigung Ihres politischen Mutes. Sie ist ein Ansporn für Sie und die ganze Welt, in den Bemühungen für Frieden nicht und niemals nachzulassen.“

          Von Amnesty International hieß es, die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis würdige den Beitrag von Abiys Regierung bei der „Einleitung von Menschenrechtsreformen“. Seit dem Regierungsantritt im April 2018 seien die Sicherheitskräfte reformiert und gesetzliche Bestimmungen für Hilfsorganisationen verbessert worden. Dennoch stehe Äthiopien in Menschenrechtsfragen weiter vor „außerordentlichen Herausforderungen“. Die Menschenrechtsorganisation ruft Abiy deshalb zu einem verstärkten Engagement auf.

          Afrikanische Politiker feiern derweil die Auszeichnung Abiys. Der somalische Präsident Mohammed Farmajo erklärte auf Twitter, Abiy sei ein würdiger Preisträger. Die Zusammenarbeit beider Nationen erfülle ihn mit Freude. Die beiden jahrzehntelang verfeindeten Länder Äthiopien und Somalia hatten unter Abiy erstmals eine regionale Kooperation vereinbart. Auch der liberianische Präsident George Weah, Zimbabwes Oppositionsführer Nelson Chamisa und Kenias Kulturministerin Amina Mohammed gratulierten Abiy. 

          Benannt sind die Nobelpreise nach dem schwedischen Chemiker und Erfinder Alfred Nobel (1833-1896). Er hielt in seinem Testament fest, dass sein Nachlass die finanzielle Grundlage für fünf internationale Preise in den Sparten Physik, Chemie, Literatur, Medizin und Frieden werden solle. 1968 wurde in Erinnerung an Nobel zudem ein Wirtschaftspreis ins Leben gerufen.

          Der Friedenspreis soll, so Nobels Letzter Wille, an jenen verliehen werden, der die beste Arbeit für mehr Brüderlichkeit zwischen Nationen geleistet hat, das Militär abgeschafft oder Friedenskongresse veranstaltet hat.

          Während vier Nobelpreise von schwedischen Nobelkomitees vergeben werden, bestimmte der Stifter zudem, dass der Friedensnobelpreisträger von fünf Mitgliedern des norwegischen Parlaments ausgesucht wird. Die Höhe des Preisgeldes richtet sich nach dem aktuellen Vermögen der Nobelstiftung. Bei der erstmaligen Verleihung lag dieses bei 150.800 Schwedischen Kronen. In diesem Jahr ist der Preis mit 9 Millionen Kronen (rund 824.000 Euro) dotiert.

          Besonders berühmte Träger des Friedensnobelpreises waren Nelson Mandela (1993), Barack Obama (2009), Mutter Teresa (1979) und Albert Schweitzer (1952). 2018 ging er an die irakische Jesidin Nadia Murad und den kongolesischen Arzt Denis Mukwege für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen.

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