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Chemienobelpreis Nachlese : Die Molekülzüchterin

Frances Arnold in ihrem Labor a Caltech in Pasadena Bild: EPA, Caltech

Ihre Forschung beeinflusst seit langem unseren Alltag. Jetzt erhält die Ingenieurin Frances H. Arnold den Nobelpreis in Chemie.

          5 Min.

          Als Familienmenschen werden erfolgreiche Wissenschaftler in der Regel nicht bezeichnet. Schon gar nicht jene sehr seltenen Exemplare, die wie Frances H. Arnold von allen drei Nationalakademien der Vereinigten Staaten aufgenommen wurde. Arnold hält überdies etliche Patente, gründete Firmen und wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2011 beispielsweise wurde sie als erste und bislang einzige Frau mit dem Charles Stark Draper Prize für Ingenieure gewürdigt – zusammen mit Willem Stemmer – für ihre Pionierarbeit im Feld der gerichteten Evolution.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die beiden hätten sich womöglich auch den Nobelpreis in Chemie geteilt, doch Stemmer starb 2013, und so erhält jetzt Frances Arnold – in dieser Sparte ist sie die fünfte Frau – die eine Hälfte, während sich George P. Smith und Sir Gregory P. Winter über die andere freuen können. Deren Arbeit mit speziellen Viren, um Antikörper zu gewinnen, ist für die Medizin von Bedeutung. Mit sogenannten Biokatalysatoren beschäftigt sich wiederum Arnold. Damit beeinflusst sie heute unseren Alltag auf vielfältige Weise: vom Biosprit über Medikamente bis hin zu Waschmitteln – die Entwicklungen, die auf ihrer Arbeit beruhen, entfalten weitreichende Wirkung. Arnold will mit neuen Enzymen drängende Probleme lösen und nutzt dafür geschickt die Tricks der Natur zur Anpassung an eine sich verändernde Umgebung. Der weltweit vorherrschende Wandel fordert uns allerdings auch persönlich heraus, nicht stehenzubleiben, und ihre Karriere ist dafür ein gutes Beispiel. Und auch dafür, dass wissenschaftlicher Erfolg und eine Familie kein Widerspruch sein müssen.

          „Good oldfashioned hard work“

          Der Anruf aus Schweden erreichte Arnold gegen vier Uhr morgens in einem Hotel in Dallas. Für sie war es mitten in der Nacht, und inzwischen haben sich Tausende auf Youtube angehört, wie sie kurz darauf mit dem Online-Redakteur Adam Smith von Nobelprize.org telefonierte und versuchte, ruhig zu erscheinen, obwohl sie völlig aufgedreht war: „I’m bouncing off the walls.“ Und genervt, dass sie ihre Söhne nicht erreichen konnte, weil die eben nicht ans Telefon gehen würden, wenn immer ihre Mutter anrufe. Die Söhne hatte sie zunächst in Verdacht, „some desaster at home“, als das Telefon sie weckte. Doch die angezeigte Nummer war ihr fremd. Tatsächlich wollte das Nobelpreiskomitee sie sprechen, und das rief auch noch ein zweites Mal an, damit sie eine Dusche nehmen und erst einmal richtig wach werden konnte. Überwältig sei sie gewesen, schilderte Arnold ihre Überraschung ein paar Stunden später auf einer Pressekonferenz zu ihren Ehren am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, nachdem sie ihren geplanten Vortrag kurzerhand verschoben hatte und von Texas nach Kalifornien zurückgeflogen war.

          Funktionstüchtig: Das Enzym Cytochrom P-450 nutzt ein Eisen.Ion im Zentrum (gelb).

          Weil Ingenieure immer gebraucht würden, habe ihr Vater einst geraten, diesen Weg einzuschlagen, und Frances Arnold ist von ihrem Beruf nach wie vor überzeugt, auch wenn sie einen eigenwilligen Weg verfolgte. 1956 in Pittsburgh geboren, startete sie ihr Studium in Princeton, ging von dort nach Berkeley und wechselte nicht nur von der amerikanischen Ost- an die Westküste, sondern zugleich vom Maschinenbau zur Chemie. Der Solarenergie galt einst ihr Interesse, heute sind es Proteine und die Natur ihr Vorbild.

          Im Alter von 29 Jahren landete sie am Caltech, einem wahren Juwel von einer Institution, wie sie sagt, und dort hat sie jetzt den Linus-Pauling-Lehrstuhl für „Chemical Engineering, Bioengineering and Biochemistry“ inne und ist Direktorin des Rosen Bioengineering Center. Ihre Studenten und Mitarbeiter stellt Arnold in Vorträgen immer wieder heraus, lobt sie für ihre Kreativität, Furchtlosigkeit – und die harte Arbeit. Natürlich brauche es Leidenschaft, aber man sollte niemals unterschätzen, wie wichtig „good oldfashioned hard work“ sei, betonte Arnold einmal in einer ebenso kurzen wie beeindruckenden Rede vor Ingenieursstudenten am Dartmouth College: „Erfolgreiche Menschen arbeiten hart.“

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