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Auszeichnung : Chemie-Nobelpreis für spezielle Elektronenmikroskopie

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Die diesjährigen Preisträger des Chemie-Nobelpreises: Jacques Dubochet, Joachim Frank und Richard Henderson. Bild: nobelprize.org

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an drei Forscher für die Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie, einer Methode zur besseren Darstellung von Biomolekülen.

          Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an Jacques Dubochet (Schweiz), den gebürtigen Deutschen Joachim Frank (Vereinigte Staaten) und Richard Henderson (Großbritannien). Sie entwickelten die sogenannte Kryo-Elektronenmikroskopie zur hochauflösenden Strukturbestimmung von Biomolekülen in Lösungen, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte. „Sie vereinfacht und verbessert das Sichtbarmachen von Biomolekülen. Diese Methode hat die Biochemie in eine neue Ära gebracht“, hieß es zur Begründung.

          Die höchste Auszeichnung für Chemiker ist derzeit mit umgerechnet rund 940.000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die feierliche Übergabe der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

          Der Anruf des Nobel-Komitees hat den neuen Chemie-Nobelpreisträger Joachim Frank so überwältigt, dass er sich am Telefon ständig wiederholte. „„Das sind wundervolle Neuigkeiten.“ Diesen Satz habe ich wieder und wieder gesagt“, berichtete der 77-Jährige nach Verkündung des Preises in Stockholm. „Ich dachte, die
          Chancen seien winzig.“ In diesem Fall habe es ihn nicht gestört, früh aus dem Bett geklingelt zu werden.

          Joachim Frank, geboren in Weidenau/Sieg, studierte in Freiburg und München. Seit Jahrzehnten forscht er in den Vereinigten Staaten.

          Der in Deutschland geborene Amerikaner Frank teilt sich den Chemie-Nobelpreis mit Jacques Dubochet und Richard Henderson für die Entwicklung der
          Kryo-Elektronenmikroskopie. Damit können winzige Moleküle sichtbar gemacht und beobachtet werden. Seine Lieblings-Moleküle seien Ribosomen, die Proteinfabriken der Zellen, sagte Frank.  

          Der praktische Nutzen der Entwicklung sei „immens“, sagte der Wissenschaftler. Bis sie beispielsweise in der Medizin genutzt werde,
          werde es allerdings wahrscheinlich noch mehrere Jahre dauern.

          Im vergangenen Jahr hatten der Franzose Jean-Pierre Sauvage, der gebürtige Brite James Fraser Stoddart und der Niederländer Bernard Feringa den Chemie-Nobelpreis erhalten. Sie haben aus nur wenigen Molekülen unter anderem eine Art Lift, künstliche Muskeln und ein Mini-Auto hergestellt.

          Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 174 verschiedene Forscher vergeben. Einer von ihnen, der Brite Frederick Sanger, erhielt ihn sogar zweimal. Unter den Preisträgern waren bislang vier Frauen, etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckt und ihre Eigenschaften untersucht hatte.

          Am Dienstag wurden drei amerikanischer Forscher als Physik-Nobelpreisträger benannt, die bedeutende Vorarbeiten zur Entdeckung der Gravitationswellen geleistet hatten: der in Deutschland geborene Forscher Rainer (Rai) Weiss sowie Kip Thorne und Barry Barish.

          Am Montag waren ebenfalls drei amerikanische Forscher mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet worden. Sie hatten herausragende Arbeiten zur Erforschung des Lebens in den Zellen vorgelegt.

          Auch die Träger des Literatur- und des Friedensnobelpreises werden noch in dieser Woche bekanntgegeben: am Donnerstag in Stockholm und am Freitag in Oslo. Die Wirtschaft kommt am kommenden Montag hinzu.

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