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Künstliche Befruchtung : Vatikan kritisiert Medizin-Nobelpreis scharf

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Babys aus dem Reagenzglas: Der Papst hält den zugehörigen Nobelpreis für deplaziert Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Der Vatikan hat die Vergabe des Medizin-Nobelpreisesan Robert Edwards, den Erfinder der künstlichen Befruchtungstechnik, scharf kritisiert. Edwards sei nicht nur verantwortlich für die Vermarktung von Eizellen, sondern auch dafür, das zahlreiche Embryonen zum Sterben verurteilt seien.

          Der Vatikan hat die Vergabe des diesjährigen Nobelpreises für Medizin an den „Vater“ der Reagenzglasbabys, Robert Edwards, scharf kritisiert. „Ich halte die Wahl von Edwards für vollkommen deplaziert und die Gründe dafür sind zahlreich“, sagte der Präsident der vatikanischen Akademie für das Leben, Monsignore Ignacio Carrasco de Paula, am Montagabend.

          Edwards sei nicht nur verantwortlich für die Vermarktung von Eizellen, sondern auf sein Konto ginge auch die große Anzahl von Embryonen in Reagenzgläsern, die im besten Fall darauf warteten, in eine Gebärmutter verpflanzt zu werden, aber mit größerer Wahrscheinlichkeit dazu verurteilt seien, zu sterben.

          Der 85 Jahre alte Brite Edwards hatte zuvor für seine Technik der künstlichen Befruchtung als alleiniger Preisträger die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner erhalten, wie das Karolinska-Institut am Montagvormittag in Stockholm bekanntgab (siehe auch: Nobelpreise 2010: Medizin-Nobelpreis für Technik zur künstlichen Befruchtung). Seine zunächst sehr umstrittene Technik habe einem Großteil der Menschen geholfen - mehr als zehn Prozent der Paare seien unfruchtbar.

          Vatikan: Problem nicht gelöst, sondern umgangen

          Monsignore Carrasco kritisierte dagegen: „Edwards hat das Problem der Unfruchtbarkeit nicht gelöst, sondern übergangen.“

          Der Vatikan hatte die von Edwards entwickelte sogenannte In-Vitro- Fertilisation (IVF) bereits 1987 eindeutig verworfen. In einem Dokument von der damals von Kardinal Joseph Ratzinger - dem heutigen Papst Benedikt XVI. - geleiteten Glaubenskongregation wurde IVF für unmoralisch erklärt, weil sie die natürliche sexuelle Vereinigung von Mann und Frau ersetze. Zudem führe sie zu der Zerstörung von Embryonen. Das sei als Zerstörung des Lebens für die katholische Kirche nicht zulässig.

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