https://www.faz.net/-gwz-6l02t

Friedensnobelpreis : Kritik an Pekings Reaktionen

  • Aktualisiert am

Liu Xia, die Frau des Friedensnobelpreisträgers Bild: REUTERS

Nachdem die Frau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, Liu Xia, offenbar unter Hausarrest gestellt worden ist, hat der Dalai Lama die Reaktion Pekings auf die Preisvergabe kritisiert. Ein für Mittwoch anberaumtes Treffen zwischen Norwegen und China auf Ministerebene wurde abgesagt.

          Die Frau des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, Liu Xia, ist nach eigenen Angaben von den chinesischen Behörden unter Hausarrest gestellt worden. Dies schrieb sie am Sonntag in einer Twitter-Mitteilung. Der Hausarrest sei bereits am Freitag, dem Tag der Bekanntgabe der Entscheidung des Osloer Nobelpreiskomitees, verhängt worden. Liu Xia schrieb über den Twitter-Dienst aber auch, dass sie ihren Mann am Sonntag im Gefängnis habe besuchen dürfen.

          „Brüder, ich bin wieder da“, schrieb sie. „Habe Xiaobo gesehen. Das Gefängnis hat ihm die Nachricht von seinem Preis in der Nacht zum 9. (Oktober) überbracht.“ Die Twitter-Nachricht wurde von einem engen Freund, dem Dissidenten Wang Jinbo, bestätigt. Er schrieb über den Kurznachrichtendienst, dass Liu Xiaobo seiner Frau unter Tränen gesagt habe, dass er seinen Friedensnobelpreis den Opfern des Tiananmen-Massakers widme. Bei der Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 wurden tausende Menschen getötet.

          Wang schrieb weiter, dass Liu Xia wegen erhöhter Sicherheitsvorkehrungen weder Freunde noch Medienvertreter treffen könne. Die amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights in China teilte mit, sie habe die Information erhalten, dass Liu Xia mitgeteilt worden sei, dass sie von einem Polizeiauto begleitet werden müsse, wenn sie ihre Wohnung verlassen wolle. Ihr Handy und das ihres Bruders seien gestört worden, hieß es weiter.

          Der Präsident des Nobel-Komitees, Thorbjoern Jagland mit dem Konterfei Liu Xiaobos

          Der Dalai Lama äußerte Kritik an Peking

          Simon Sharpe von der EU-Delegation in China sagte unterdessen, er habe Liu Xia in deren Wohnung in Peking besuchen wollen um ihr ein Glückwunschschreiben des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso zu überreichen. Drei Sicherheitskräfte hätten ihn und seine Begleiter aber daran gehindert, den Wohnkomplex, in dem Liu Xia wohnt, zu betreten.

          Der Dalai Lama äußerte unterdessen Kritik an der Reaktion Pekings auf die Nobelpreis-Auszeichnung Liu Xiaobos. Die chinesische Regierung müsse begreifen, dass es notwendig sei, eine offene Gesellschaft zu fördern, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter Berichten der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge am Montag auf dem Flughafen von Tokio. Dies sei der einzige Weg, die gesamte Bevölkerung Chinas zu schützen. Die chinesische Regierung hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an einen inhaftierten Dissidenten als Affront bezeichnet. Die Auszeichnung Liu Xiaobos zeigte bereits erste konkrete Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen China und Norwegen. Ein für Mittwoch anberaumtes Treffen auf Ministerebene sei abgesagt worden, teilte die norwegische Botschaft in Peking am Montag mit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thomas Middelhoff beim Gespräch über sein neues Buch „Schuldig“ in Hamburg

          Middelhoff im Gespräch : „Es war die Gier nach Anerkennung“

          Thomas Middelhoff war Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann und galt als „Wunderkind“ der Wirtschaft. Dann kam der Absturz: Steuerhinterziehung, Haft, Privatinsolvenz. Jetzt bekennt sich der gestürzte Manager: „Schuldig“
          Die jährliche Befragung von 6000 Bürgern ergibt irritierende Ergebnisse zum Thema Ärztemangel.

          Umfrage der Kassenärzte : Rätseln um den Ärztemangel

          Gibt es tatsächlich immer weniger Ärzte? Oder ändert sich nur die Art der Versorgung? Ist die Anspruchshaltung der Patienten überzogen? Die Ergebnisse einer Befragung irritieren.
          Demonstranten und Anwohner vor einer Polizeistation am Mittwochabend

          Plötzliche Disruption : „Ihr habt keine Heimat!“

          Nie waren sich Hongkonger und Festlandchinesen ferner als in diesen Tagen. Schon deshalb ist mit Unterstützung nicht zu rechnen. Chronik einer Eskalation
          Das durch den Abbau von jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle entstandene „Hambacher Loch“.

          Gigantischer Stromspeicher : Die Wasserbatterie im Hambacher Loch

          Was ein visionärer Plan: Ein gigantischer Stromspeicher für überschüssigen Wind- und Solarstrom soll im „Hambacher Loch“ entstehen. Die Technik dürfte Kennern bekannt vorkommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.