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Wirtschaftswissenschaften : Die Nobelpreiskandidaten

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Yale-Professer Robert Shiller hat die Technologiebörse und die Finanzkrise vorhergesagt Bild: REUTERS

Robert Shiller ist momentan richtig hipp. Der Yale-Professor hatte die Finanzkrise vorhergesehen. Der Zeitgeist könnte aber auch der Grund sein, aus dem Shiller den Nobelpreis heute nicht bekommt. Die F.A.S. hat Ökonomen nach den aussichtsreichen Kandidaten befragt.

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          Robert Shiller ist momentan richtig hipp. Er hat die aktuelle Finanzkrise angekündigt und wusste schon in den 90er Jahren, dass die Technologieblase einmal platzen würde. Noch früher hatte er verbreitet, dass es an Kapitalmärkten menschelt. Das hatten viele seiner Kollegen vorher nicht geglaubt und sich die Märkte stattdessen als rationale, emotionsfreie Räume vorgestellt. Dafür, dass der Yale-Professor Shiller (siehe: Robert Shiller: „Die nächsten fünf Jahre werden enttäuschend“) am Montag den Wirtschaftsnobelpreis zugesprochen bekommt, spricht aber noch mehr: Er ist Amerikaner und über 60 Jahre alt - Vertreter beider Gruppen hatten stets gute Chancen, die Kombination noch bessere.

          Der Zeitgeist könnte jedoch - da ist die Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises so dialektisch wie der Rest der Welt - auch genau der Grund sein, aus dem Shiller ihn nicht bekommt. „Das Nobelpreis-Komitee hat in den letzten Jahren immer mehr den aktuellen Geschmack in den Mittelpunkt gerückt“, sagt der Wirtschaftshistoriker Joachim Voth - rein wissenschaftlich (damit ist hier die Publikation von Forschungsergebnissen in renommierten Fachzeitschriften gemeint) sei Shiller dagegen nicht der erste Anwärter auf den Preis.

          Österreicher Fehr forscht zur Fairness

          Bessere Chancen hätte von diesem Standpunkt aus Ernst Fehr. Er ist Österreicher, lehrt in Zürich (beides weit weg von der Wall Street), ist 53 Jahre alt und Begründer einer eigenen Forschungsrichtung: Ernst Fehr hat die Fairness in die Wirtschaftswissenschaft gebracht - als menschliche Eigenschaft (was viele freut), die allerdings nicht angeboren ist (was viele traurig macht). Auf kaum einen Ökonomen berufen sich andere Forscher momentan so oft wie auf ihn (siehe: Die Wirtschaft als Experiment). Ihn favorisieren auch diejenigen, die von der F.A.S. befragt wurden. Beim Wettanbieter Ladbrokes ist er ebenfalls ein Topkandidat.

          Ernst Fehr beschäftigt sich mit experimenteller Wirtschafsforschung

          Modethema Klimawandel

          Gleichauf liegt mit ihm dort William Nordhaus, der eine plausible Wahl wäre, weil er wie Shiller ein über sechzigjähriger Amerikaner ist und ein Thema beackert, das gerade schwer in Mode ist: Klimawandel und Wirtschaftswachstum (siehe: Sonntagsökonom: Preise steuern besser als Politiker). Dafür hat noch niemand den Preis bekommen - für Außenhandel, Statistik, Verhaltensökonomie, Spieltheorie, derivative Wertpapiere, Wettbewerbstheorien und Wirtschaftsgeschichte hingegen schon.

          Am Wettschalter liegt allerdings noch einer vor ihm und den anderen bisher Genannten: Eugene Fama, der die sogenannte Effizienzmarkttheorie entwickelte (siehe: Geldanlage: Selig sind die Ahnungslosen). Nach dieser sind Märkte immer rational, was genau die gegenteilige Ansicht zu Shiller und Fehr ist. Dass die Jury im Finanzkrisenjahr den Begründer der in die Kritik geratenen Theorie auszeichnet, glauben indes nur wenige.

          Das Problem mit den Prognosen

          Thomas Sargent halten sie für wahrscheinlicher. Der baut seine Modelle zwar auch mit rein rationalen Menschen, beschäftigt sich aber mit Konjunkturzyklen, also den regelmäßigen Schwankungen in der gesamtwirtschaftlichen Produktion (keine böse Börse). Für ihn könnte nur hinderlich sein, dass Robert Lucas 1995 für eine ähnliche Idee den Preis bereits bekam.

          Bleiben zwei Möglichkeiten: Die eine verbindet sich mit Robert Barro, einem verdienten Makroökonomen; der Preis für ihn wäre vergleichbar mit dem Oscar fürs Lebenswerk (siehe: Volkswirtschaftslehre: Sind wir jetzt alle Keynesianer?). Die zweite mit der Freiheit der Jury. Sie könnte jemanden aussuchen, den niemand auf der Rechnung hatte. Und den Finger in eine Wunde legen, die das Fach derzeit gerade plagt: Prognosen sind für Ökonomen eben ganz schön schwer.

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