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Klimaschädliche Investitionen : Nobelpreis mit schlechtem Gewissen?

Weltruhm: Alfred Nobel soll Vorbild sein. Bild: dpa

420 Millionen Dollar für die Zerstörung des Weltklimas – das ist der Vorwurf in einer prominenten Unterschriftenliste, die zur Verleihung der Nobelpreise kursiert. Die Nobelstiftung gerät unter Druck.

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          Von Lindau bis Stockholm: Die Klimaschutzkarawane der hoch geachteten Honoratioren zieht ins Herz der moralischen Instanz nach Schweden, und sie ist unnachgiebig: Das hätte Alfred Nobel nicht gewollt, so heißt es sinngemäß in dem „Appell an die Nobelstiftung zum Divestment“, der aus Anlass der Stockholmer „Nobelwoche“ mit der traditionellen Verleihung der Nobelpreise an diesem Samstag lanciert wurde.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Vor anderthalb Jahren war es die „Mainauer Erklärung“, in der am Ende mehr als fünfzig lebende Nobelpreisträger auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung  vor einem klimapolitischen Stillstand weltweit gewarnt hatten. Betrachtet man das Ergebnis von Paris, hat der erhobene Zeigefinger der Nobelpreisträger zumindest moralisch gesiegt. Der Appell zum Klimaschutz seinerzeit war allerdings auch wissenschaftlich begründet, man hatte als Koveranstalter in Lindau sogar die Nobelstiftung im Rücken, und die Adressaten in der Politik waren ausreichend breit gestreut und blieben persönlich ungenannt.

          Mit dem jetzigen Appell an die Nobelstiftung, ihr investiertes Vermögen von 420 Millionen Dollar, das  in Anteilen an Kohle-, Öl- und Gaskonzernen steckt, abzuziehen und damit Schluss zu machen mit „klimaschädlichen Investitionen“, ist das nun etwas anderes. Konkreter und direkter kann man einen Vorwurf an den eigenen Gönner gar nicht formulieren. Schon deshalb dürften nicht alle der klimabesorgten Unterstützer von damals am Ende auch unterzeichnen. Bisher sind es 14 Nobelpreisträger, darunter Atmosphärenchemiker Paul Josef Crutzen aus Mainz und mehrere Gewinner des renommierten Friedensnobelpreises wie die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi, die jemenitische Frauenrechtlerin Tawakkol Karman und der argentinische Menschenrechts- und Friedensaktivist Adolfo Pérez Esquivel. Außerdem Wissenschaftler und Klimaforscher wie Hans Joachim Schellnhuber aus Potsdam oder Michael Mann, die am Friedensnobelpreisträger des Jahres 2007, dem Weltklimarat IPCC, mitgewirkt haben.  

          „In seinem Testament schrieb Alfred Nobel, die Preise sollten an diejenigen verliehen werden, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben. Als Preisträger und Wissenschaftler nehmen wir uns die letzten Worte Alfred Nobels zu Herzen. Wir erwarten, dass auch die Nobelstiftung im Interesse der Menschheit handelt und für die Gesundheit unseres Planeten, auf die wir alle angewiesen sind, Sorge trägt“, so heißt es in dem Schreiben an Lars Heikensten, dem Exekutivdirektor der Nobelstiftung. Vier Forderungen sind auch konkret aufgelistet: Jede Investition in Unternehen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes aus dem Handel und Vertrieb mit Kohle, Gas oder Erdöl beziehen, sollte „sumgehend gestoppt“ werden. Außerdem sollte die Stiftung transparent für jedermann zeigen, dass die Gelder, die in die Energiebranche fließen, künftig in umweltschonende, regenerative Sektoren investiert werden.

          Es geht also, wie bei der inzwischen weltweit populären Divestment-Bewegung um Umverteilung: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu grünen, nachhaltigen und vor allem klimaschonenderen Zukunftsinvestitionen.  Initiiert wurde die Unterschriftenliste der Nobelpreisträger von der Stockholmer Klimaschützergruppe „Divest Nobel“. Die Aktivisten haben zudem -  zum ersten Mal während der Nobelpreisverleihungen - Demonstrationen und Protestkundgebungen angekündigt. 

          An der Divestment-Bewegung haben sich bisher mehr als 600 Firmen, Hochschulen und Institutionen, darunter viele große Kommunen wie Berlin, Münster, Paris, Oslo oder Melbourne beteiligt. Dabei soll es um Investitionssummen von insgesamt mehr als 3,5 Billionen Dollar gehen. 

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