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„Nichts als die Wahrheit“ : Google-Suchmaschine setzt auf Fakten

Informationstechnisch gesehen geht es also um erweiterte Wahrscheinlichkeitsrechnungen, um Statistiken, die gewaltige Datenmengen intelligent zusammenführen und einstufen. Im Prinzip nutzt die Suchmaschine dazu viele schon bekannte Softwares und Apps,  die für den Fakten- und Datencheck eingesetzt werden können. „FactCheck.org“  oder „Snopes“ sind Serviceanbieter, die sich solcher Prüfprogramme bedienen. Künftig geht das dann mit KBT so: Geht eine Suchanfrage ein, wird die gigantische Datenbank nach drei Elementen abgefragt, die im engen Zusammenhang mit den Suchbegriffen stehen. Sie sind das „Triple“, gewissermaßen die drei Säulen der Google-Wahrheit, aufgebaut wie die drei elementaren Bestandteile eines deutschen Satzes: Subjekt (um wen oder was geht es), Prädikat (was willst du darüber wissen) und Objekt (was weiß man). Am Beispiel des amerikanischen Präsidenten gezeigt: Obama (Subjekt), Nationalität (Prädikat), Vereinigte Staaten (Objekt). Wenn sich für eine Suchanfrage diese drei Informationen anwenden lassen, gehört sie in jene Kategorie, die künftig nach dem neuen, vermeintlichen Wahrheits-Algorithmus gelistet werden kann.

Qualität statt Quantität

Entscheidend für das Ergebnis, die als Wahrscheinlichkeit berechnete Vertrauenswürdigkeit, ist dabei auch der Abgleich der Prüf-Softwares. Google nutzt dazu bisher 16 sogenannnte „Extraktoren“. Sie ziehen die relevanten, seriösen Daten aus dem Pool, Google stellt daraus seine Hierarchie her. Die Suchmaschine bedient sich dabei der eigenen, quasi schon validierten KV- Datenbank und füttert sich ständig selbst mit neuen,  aus dem Internet gewonnen und geprüften Daten.  Die digitale Vision dahinter ist nicht neu. IDM verfolgt mit „Watson“ ganz ähnliche Ziele. Und wenn man so will, wäre es (in der ersten Ausbaustufe?) die Verwirklichung eines utopischen Megacomputers wie „HAL 9000“  in „2001: Odyssee im Weltraum“, der im Prinzip zwar jede Frage nach dem Stand des Wissens genau beantworten kann, allerdings auch nach einem relativ starren Muster vorgeht und in emotionalen, sehr individuellen Fragen durchaus überfordert ist. Trotzdem ist das Vorgehen grundsätzlich anders als das reine Popularitätsranking bisher.

Google verspricht also nichts weniger, als den Informationsgehalt der Welt künftig zuerst mathematisch nach dem Wahrheitsgehalt zu ranken – nach einem offenbar möglichst neutralen, auf empirischen Fakten basierten System. Qualität statt Quantität. An die Stelle äußerer Merkmale wie der Zahl der Hyperlinks und der Surfgeschichte eines Suchbegriffs treten dann zuerst „endogene Signale“, wie die Wissenschaftler schreiben – die Wertigkeit der Informationen selbst. Die Frage freilich, wie erfolgreich Google künftig Pseudowissen, Gerüchte,  Verschwörungstheorien herausfiltert – wenn auch nicht eliminiert – lässt sich nur im Alltag beantworten.

Die Pilotstudien dazu haben die Softwareingenieure des Konzerns abgeschlossen. In dem Aufsatz berichten sie über 2,8 Milliarden „Triple“-Anfragen, die auf das Web angewendet wurden. Damit sind demnach die Inhalte von mindestens 119 Millionen Webadressen und zusätzlich 5,6 einzelne Webseiten auf ihre Vertrauenswürdigkeit hin getestet worden. Viele extrem populäre Internetseiten sind durch das Netz von Googles Jägern der verlorenen Wahrheit gerutscht. 14 von 15 bisher top gesetzten Humor-Adressen beispielsweise, allesamt unter den 15 Prozent meistgeklickten amerikanischen Internetseiten, sind quasi komplett durchgefallen und mit Googles KBT-Suchmaschine in die untere Hälfte der Suchanfragen abgerutscht.  Auch Internetforen, in denen sich die besonders schreibwütigen und kommentarfreudigen User austoben, dürften den Google-Forschern zufolge zu den großen Verlierern der Qualitätsoffensive zählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Google damit auch den Trollen das Handwerk legt, geht allerdings gegen Null.

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