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Neues Herzmedikament : Blockbuster mit zwei Gesichtern?

Noch ein neues Medikament? Bild: dpa

Als Meilenstein wurde am Wochenende ein neues Herzmedikament gefeiert. Die klinische Studie dazu nährt die Hoffnung des Konzerns auf Milliardengewinne. Doch der neue Wirkstoff könnte die Bemühungen um ein Alzheimer-Medikament zunichte machen.

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          Alles was wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Für Mediziner und Wissenschaftler ist das eine Binsenweisheit. Bei den großen Arzneien der Geschichte ist das Verhältnis von gewünschten und unerwünschten Wirkungen freilich fast immer ein ausgesprochen gesundes. Deshalb darf man sich jetzt nach der Veröffentlichung einer aufsehenerregenden klinischen Studie mit einem neuen Herzmedikament fragen, wann das Verhältnis ins Ungesunde kippt - wann wird, anders formuliert, der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Mittel, von dem hier die Rede ist, erfüllt auf den ersten Blick alle Kriterien für ein potentiell großes Medikament. Es geht um einen neuen Wirkstoff des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, der am Wochenende die Herzmedizin weltweit in ihren Bann gezigen hat. Die „New York Times“ hat ihren Artikel über die Präsentation des Mittels auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Spanien mit einem Zitat eines der Studienautoren, Milton Packer aus Dallas, aufgewertet: Der Schlüsselbegriff lautete „Paradigmenwechsel“. Und tatsächlich: Wenn man den Kardiologen und den wissenschaftlichen Kommentatoren glauben darf, die ihre Resultate und Schlußfolgerungen zeitgleich zur Präsentation im renommierten „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten, dann wird LCZ696 -  „Sacubitril“ in der Novartis-Bezeichnung - die Therapie von koronaren Herzkrankheiten, insbesondere Herzinsuffizienz, revolutionieren.

          Ein Fünftel weniger Klinikfälle

          Die Daten aus der multizentrischen, randomiserten Studie mit 8442 (vorwiegend europäischen) Herzranken lassen diese Interpretation zumindest zu: Verglichen zur Standardtherapie, der täglich zweimaligen Gabe eines ACE-Hemmers, hat die zweimalige Gabe von LCZ696 nach einer mittleren Beobachtungszeit von 27 Monaten sowohl die Sterblichkeit als auch das Risiko, wegen Herzproblemen in die Klinik eingewiesen zu werden, deutlich verringert:  Von den Patienten, die das neue Mittel erhielten starben 914 Patienten, in der Gruppe mit dem ACE-Hemmer waren es 1117. Verglichen mit der gängigen Arznei kam es zudem zu etwa ein Fünftel weniger Klinikeinweisungen.

          Die Struktur des Enzyms Neprilysin.

          Eine so deutliche Senkung des relativen Erkrakungs- und Sterberisikos muss als Erfolg gesehen werden, auch wenn der neue Wirkstoff in der LCZ696-Pille nicht allein, sondern mit einem gängigen Angiotensin-Rezeptorblocker (ebenfalls aus dem Hause Novartis) gegeben wurde - normalerweise die (deutlich teurere) Alternative zu den ACE-Hemmern, die auch nur gegeben werden, sofern diese vom Patienten nicht vertragen werden. Packer sagte in Barcelona, der Unterschied mit LCZ696 zur Standardtherapie sei so groß wie der Unterschied zwischen  den heutigen ACE-Hemmern und der Gabe eines Placebos. Mit anderen Worten: Das Mittel wirkt massiv.

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