https://www.faz.net/-gwz-a084k

Kontaktpflege in Corona-Zeiten : Günstige Gelegenheiten

Gefüllte Restaurants in Frankfurt Ende Mai – doch welche Kontakte sollte man pandemietaktisch besonders pflegen? Bild: Diana Cabrera Rojas

Durch smarte Auswahl der Kontaktpersonen kann die Ausbreitung von Covid-19 gebremst werden – das schlägt zumindest eine neue Studie vor. Die Übertragbarkeit der Theorie in die Praxis bleibt in unserem komplex vernetzten Alltag aber fraglich.

          1 Min.

          Seien wir ehrlich: Auch wenn wir uns nach wie vor gern über die uns auferlegten Beschränkungen zur Eingrenzung der Covid-19-Ausbreitung aufregen, so richtig wirksam sind sie im Alltag schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Parks sind voll, Menschenmengen kommen zu Großdemos zusammen, man trifft sich wieder in Cafés und Restaurants. Die lange befürchtete „zweite Welle“ ist bislang, Gott sei Dank und mutmaßlich unter dem Einfluss von Gesichtsmasken und Draußenaktivitäten, trotzdem ausgeblieben. Hoffen wir, dass das so bleiben wird.

          Falls nicht, haben netzwerktheoretisch interessierte Soziologen aber bereits eine Alternativstrategie vorbereitet, damit wir der nächsten Runde der Radikalvermeidung physischer Kontakte entgehen können. Allein notwendig dafür ist, so schreiben sie aktuell in „Nature Human Behaviour“, sich die Vernetzung der eigenen Sozialkontakte vor Augen zu führen und sich entsprechend zu verhalten. Konkret schlagen sie drei verschiedene Strategien vor: Erstens könne man soziale Aktivitäten die geographisch nahen Kontakte beschränken. Zweitens sei darauf zu achten, dass das Kontaktnetzwerk möglichst dicht ist – dass man also nur diejenigen trifft, mit denen man gemeinsame weitere Kontakte hat. Und drittens könne man einfach eine Auswahl von Menschen treffen, denen man sowieso am liebsten oder am häufigsten begegnet, und dann auch dabei bleiben.

          Diese Strategien, separat oder auch kombiniert, können laut Modellrechnungen der Ausbreitung der Pandemie effektiv entgegenwirken. Die Übertragbarkeit der Theorie in die Praxis bleibt in unserem komplex vernetzten Alltag zwar fraglich. Wer aber schon lange nach einem Argument gesucht hat, sich auch privat einmal mit Arbeitskollegen oder den nächsten Nachbarn zu treffen – oder auch Pflichttreffen mit flüchtigen Bekannten außerhalb des engsten Freundeskreises abzusagen –, dem bietet sich jetzt eine günstige Gelegenheit.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Konkurrenten um das Amt des Finanzministers: Robert Habeck (links) und Christian Lindner

          Ampel-Verhandlungen : Wer was wird

          Welche Partei welches Ministerium bekommt, soll erst am Schluss der Koalitionsverhandlungen besprochen werden. Doch im Hintergrund hat das große Verteilen längst begonnen. Ein Überblick aus der Berliner Gerüchteküche.
          Den Auftritt in Amsterdam hatten sich Erling Haaland (Zweiter von rechts) und der BVB sicher anders vorgestellt.

          0:4-Debakel in Champions League : Der BVB wird regelrecht zerlegt

          Das Duell mit Ajax Amsterdam gerät für Borussia Dortmund zur Lehrstunde in Sachen Offensivfußball. Torhüter Gregor Kobel verhindert ein noch deutlicheres Ergebnis. Trainer und Spieler des BVB sind bedient.
          Julian Reichelt

          Der Fall Julian Reichelt : Was uns der Rauswurf des Bild-Chefs sagt

          Der Bild-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Job los. Bei seinem Betragen ist das nur angemessen. Springer-Chef Döpfner hält ihn indes für einen „Rebellen“. Das ist der falsche Begriff.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.