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Kontaktpflege in Corona-Zeiten : Günstige Gelegenheiten

Gefüllte Restaurants in Frankfurt Ende Mai – doch welche Kontakte sollte man pandemietaktisch besonders pflegen? Bild: Diana Cabrera Rojas

Durch smarte Auswahl der Kontaktpersonen kann die Ausbreitung von Covid-19 gebremst werden – das schlägt zumindest eine neue Studie vor. Die Übertragbarkeit der Theorie in die Praxis bleibt in unserem komplex vernetzten Alltag aber fraglich.

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          Seien wir ehrlich: Auch wenn wir uns nach wie vor gern über die uns auferlegten Beschränkungen zur Eingrenzung der Covid-19-Ausbreitung aufregen, so richtig wirksam sind sie im Alltag schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Parks sind voll, Menschenmengen kommen zu Großdemos zusammen, man trifft sich wieder in Cafés und Restaurants. Die lange befürchtete „zweite Welle“ ist bislang, Gott sei Dank und mutmaßlich unter dem Einfluss von Gesichtsmasken und Draußenaktivitäten, trotzdem ausgeblieben. Hoffen wir, dass das so bleiben wird.

          Falls nicht, haben netzwerktheoretisch interessierte Soziologen aber bereits eine Alternativstrategie vorbereitet, damit wir der nächsten Runde der Radikalvermeidung physischer Kontakte entgehen können. Allein notwendig dafür ist, so schreiben sie aktuell in „Nature Human Behaviour“, sich die Vernetzung der eigenen Sozialkontakte vor Augen zu führen und sich entsprechend zu verhalten. Konkret schlagen sie drei verschiedene Strategien vor: Erstens könne man soziale Aktivitäten die geographisch nahen Kontakte beschränken. Zweitens sei darauf zu achten, dass das Kontaktnetzwerk möglichst dicht ist – dass man also nur diejenigen trifft, mit denen man gemeinsame weitere Kontakte hat. Und drittens könne man einfach eine Auswahl von Menschen treffen, denen man sowieso am liebsten oder am häufigsten begegnet, und dann auch dabei bleiben.

          Diese Strategien, separat oder auch kombiniert, können laut Modellrechnungen der Ausbreitung der Pandemie effektiv entgegenwirken. Die Übertragbarkeit der Theorie in die Praxis bleibt in unserem komplex vernetzten Alltag zwar fraglich. Wer aber schon lange nach einem Argument gesucht hat, sich auch privat einmal mit Arbeitskollegen oder den nächsten Nachbarn zu treffen – oder auch Pflichttreffen mit flüchtigen Bekannten außerhalb des engsten Freundeskreises abzusagen –, dem bietet sich jetzt eine günstige Gelegenheit.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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