https://www.faz.net/-gwz-x03h

Zum Tod des Chaosforschers Edward Lorenz : Vater des Schmetterlings

  • Aktualisiert am

Vorsicht, Flügelschlag: Dank Edward Lorenz hielt der Schmetterling Einzug in die Chaostheorie Bild: ASSOCIATED PRESS

Mit seinem Bild des Orkan auslösenden Flügelschlags eines Schmetterlings hatte der Meteorologe Edward Lorenz 1972 das aufkommende Gebiet der Chaosforschung salonfähig gemacht. Jetzt starb der Forscher im Alter von 90 Jahren in Cambridge, Massachusetts.

          „Schon der zarte Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann in Texas einen Orkan auslösen.“ Dieses Bild, das der Meteorologe Edward Lorenz 1972 prägte und mit dem er das aufkommende Gebiet der Chaosforschung salonfähig machte, steht für die Beobachtung, dass minimale Störungen in nichtlinearen Systemen zu drastischen, nicht vorhersagbaren Veränderungen führen können. Der Schmetterlingseffekt ist längst nicht mehr nur Mathematikern, Physikern und Wetterfröschen ein fester Begriff. Auch Soziologen und Ökonomen bedienen sich gern des eingängigen Bildes.

          Lorenz ging zu Beginn der sechziger Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge der Vorhersagbarkeit des Wetters nach. Dabei stellte er fest, dass sein einfaches Modell, mit dem er das Wettergeschehen auf einer einfachen Rechenmaschine simulierte, empfindlich von den Anfangsbedingungen abhing. Schon winzige Veränderungen von Temperatur, Luftdruck oder Luftfeuchte führten zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen.

          Seine Entdeckung, die lange nur wenig Beachtung fand, brachte er mit dem Schmetterlingseffekt selbst wieder ins Gespräch. Heute weiß man, dass die Annahme von Lorenz nicht so ohne weiteres gilt, weil selbst in komplexen chaotischen Systemen geordnete Strukturen auftreten können, die stabilisierend wirken. Dennoch hatten seine Arbeiten großen Einfluss. Der Vater der Chaostheorie, 1917 in West Hartford (Connecticut) geboren, wurde 1948 in Meteorologie am MIT promoviert, dem er zeit seines Lebens treu blieb. Lorenz starb an diesem Mittwoch im Alter von 90 Jahren in Cambridge.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.