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Zoologie : Die sensationelle Fitness der Streifengans

  • -Aktualisiert am

Streifengänse im Flug Bild: Nyambayar Batbaya

Streifengänse fliegen in mehr als 7000 Metern Höhe. Forscher simulierten diese Bedingungen nun im Labor und fanden heraus, wie die Tiere trotz geringer Sauerstoffgehalte Spitzenleistungen erreichen.

          1 Min.

          Streifengänse (Anser indicus) fliegen in bis zu 7290 Meter Höhe, während sie den Himalaya überqueren. Sie müssen diese Route wählen, wenn sie von ihren Winterquartieren in Indien die Brutgebiete in China und der Mongolei erreichen wollen. Dass Streifengänse dabei trotz vollem Tempo mit den niedrigen Sauerstoffkonzentrationen von nur sieben Prozent in solchen Höhen zurechtkommen, haben jetzt Wissenschaftler um Lucy Hawkes von der University of Exeter im Fachmagazin „Plos One“ (online vorab) im Labor demonstriert. Die Forscher ließen die Tiere in durchsichtigen Boxen auf Laufbändern rennen und senkten den Sauerstoffgehalt der Luft drastisch ab – so lange, bis die Bedingungen auf dem Laufband denen am Gipfel des Mount Everest nahekamen.

          Effektiv versorgtes Herz

          Die Vögel hielten die volle Geschwindigkeit für fünfzehn Minuten – unter Bedingungen, die Menschen völlig außer Gefecht setzen würden. Die Wissenschaftler wiederholten den Versuch mit Weißwangengänsen (Branta leucopsis), die gewöhnlich etwa auf Meereshöhe fliegen, wo der Sauerstoffgehalt der Luft 21 Prozent beträgt, und fanden heraus, dass dieser Art die Fähigkeiten der Streifengans fehlen. Streifengänse können ihren Herzmuskel offenbar effektiver mit Sauerstoff versorgen, mutmaßen die Wissenschaftler – und dadurch auch für den Rest des Körpers unter Extrembedingungen Sauerstoff zur Verfügung stellen. Andere Spezies, auch der Mensch, seien in solchen Situationen möglicherweise vor allem durch die Grenzen ihrer Herztätigkeit eingeschränkt, nicht so sehr durch die Fitness der Muskeln.

          Die Studienautoren schließen nicht aus, dass die Beobachtungen an Streifengänsen eines Tages in der Medizin eine Rolle spielen könnten, wenn es darum geht, Therapien für schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zu finden, in denen eine Unterversorgung mit Sauerstoff eine zentrale Rolle spielt. Solche Ansätze dürften allerdings noch in relativ weiter Ferne liegen, denn bislang kennt man vor allem anatomische Gründe für die erstaunlichen Fähigkeiten der Streifengans: Ihr Herzmuskel und ihre Bewegungsmuskulatur enthalten besonders viele Blutgefäße. Auch physiologisch scheint sie gut an die extreme Höhe angepasst zu sein: Durch eine Mutation kann ihr Hämoglobin Sauerstoff auch bei niedrigem Druck schnell aufnehmen.

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