https://www.faz.net/-gwz-uslh

Wüstenfrösche : Gieren nach Feuchtigkeit

  • -Aktualisiert am

Auch ohne Kokon trockenresistent: der Frosch Notaden nichollsi Bild: Western Australian Museum

Frösche lieben es feucht. Dennoch leben einige von ihnen auch in Wüsten. Dort müssen sie den größten Teil ihres Lebens im Untergrund verbringen. Während sie dort regungslos auf den nächsten Regen warten, füllen sie ihre Harnblase als Wasserreservoir.

          2 Min.

          Frösche lieben es eigentlich feucht. Dennoch bevölkern einige von ihnen auch Wüstengebiete. Dort müssen sie deshalb den größten Teil ihres Lebens im Untergrund verbringen. Während sie im Boden regungslos bis zum nächsten Regenschauer ausharren, hüllen sie sich oft in einen Kokon aus abgestorbenen Hautschichten.

          Biologen um Victoria Cartledge von der University of Western Australia in Crawley haben diese Strategie nun genau unter die Lupe genommen. Dabei fanden sie heraus, dass es von der jeweiligen Umgebung abhängt, ob eine solche Hülle gebildet wird.

          Hauchdünne Hülle - überaus vielschichtig

          Mit Hilfe ortskundiger Aborigines konnten die Wissenschaftler ihre Untersuchungsobjekte sowohl in lehmigen Senken als auch im Sand der Dünen aufspüren. Bisweilen mussten sie bis zu zwei Meter tief graben, um die Tiere ans Tageslicht zu befördern. Im Dünensand fanden sich Frösche der Art Notaden nichollsi, die nie eine Schutzhülle ausbilden. Im ausgetrockneten Lehm indessen stießen die Biologen auf Neobatrachus aquilonius. Die Tiere dieser Spezies hatten sich in einen zarten pergamentartigen Kokon eingekapselt.

          Unter dem Elektronenmikroskop entpuppte sich die hauchdünne Hülle als überaus vielschichtig. Die Wissenschaftler zählten bis zu 229 Lagen, von denen jede nur Bruchteile eines tausendstel Millimeters misst („Journal of Experimental Biology“, Bd. 209, S. 3309). Solch eine Schicht aus getrocknetem Schleim und abgestorbenen Hautzellen wird alle drei bis fünf Tage abgestreift und gewöhnlich umgehend verspeist. In ausgetrocknetem Lehm gefangen, lassen die Wüstenfrösche ihre abgelegten Häute jedoch unversehrt und blockieren so den Wasseraustausch mit ihrer Umgebung.

          Form der Harnblase

          Während die Frösche auf Regen warten, nutzen sie zunächst die verbliebene Feuchtigkeit im Untergrund. Da Wasser von Tonmineralen weitaus stärker gebunden wird als von Sandkörnern, ist in Lehmböden entsprechend schnell der Grenzwert erreicht, von dem an die Tiere keinen Tropfen aus ihrer Umgebung mehr herausholen können. Dann müssen sie auf die Reserven zurückgreifen, die sie in feuchteren Zeiten angelegt haben.

          In Form ihrer Harnblase, die bis auf fünfzig Prozent des Körpervolumens anschwillt, nehmen die Wüstenfrösche einen wohlgefüllten Flüssigkeitstank mit in den Untergrund. Umgeben von dem nahezu wasserdichten Kokon aus alten Häuten können sie lange mit diesem Vorrat auskommen. Erst anderthalb Jahre nach dem letzten Regenguss hatten drei der sechs Frösche, die von den Forschern dann aus steinhartem Lehm hervorgeholt wurden, ihre Harnblase fast vollständig geleert.

          In einem Kokon abkapseln

          In sandigerem Lehmboden, wie er in den Dünentälern zu finden ist, scheinen die Wüstenfrösche Dürreperioden leichter zu überstehen. Tiere der Art Notaden nichollsi hatten sich dort ebenso angesiedelt wie solche der Art Neobatrachus aquilonius, und keiner dieser Frösche war merklich dehydriert.

          Obwohl sich Neobatrachus in einem Kokon abkapseln könnte, verzichtete er in diesem Terrain überraschenderweise darauf und blieb lieber in Kontakt mit seiner Umwelt. Offenbar ist es diesen Fröschen dann möglich, dem sandhaltigen Boden noch Wasser zu entziehen. Das bezeugten jedenfalls ihre wohlgefüllten Harnblasen und der geringe Salzgehalt des Blutes.

          Weitere Themen

          Anatomie der besseren Hoffnung

          150 Jahre Paragraph 218 : Anatomie der besseren Hoffnung

          Der Schwangerschaftsabbruch soll geregelt bleiben, aber die Regelung muss nicht im Strafgesetzbuch stehen: Ein Berliner Kongress nach 150 Jahren Paragraph 218 eröffnet eine neue Reformperspektive.

          Topmeldungen

          Kompatibel oder zu verschieden? Grünen- und FDP-Wahlplakate werden in Köln abgehängt.

          Koalitions-Vorsondierungen : So können Grüne und FDP regieren

          Die FDP ist für freie Fahrt auf Autobahnen, gegen Steuererhöhungen und für eine Beibehaltung des Krankenversicherungssystems. Die Grünen vertreten das Gegenteil. Was steckt hinter der Phantasie für ein „progressives Bündnis“?
          Rot, Gelb und Grün in Berlin – die Ampel scheint die beliebteste Koalition zu sein.

          Liveblog Bundestagswahl : Mehrheit laut Umfrage für Ampelkoalition

          Erste Rücktrittsforderungen an Laschet +++ Union bereit für Jamaika +++ Habeck und Baerbock wollen Verhandlungen gemeinsam führen +++ CDU-Generalsekretär verspricht „brutal offene“ Wahlanalyse +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.
          Armin Laschet und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Montag in Berlin

          Laschet und die Union : Der Kandidat, der enttäuschte

          Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet die Parteifreunde besänftigen. Vom zweiten Platz aus versucht die Union, eine Regierungsperspektive zu behalten.
          Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel am Montag in Berlin

          AfD in Ostdeutschland : Blau blüht das Kernland

          Die AfD wird in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft, obwohl sie im Vergleich zur Wahl von 2017 teilweise Stimmenanteile verliert. Was folgt daraus für die Partei? In Berlin zofft sich die Führung auf offener Bühne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.