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Winterschlaf : Unterkühlte Schnabeligel

  • -Aktualisiert am

Winterschlaf im Zoo: Saarbrücker Schnabeligel Bild: picture-alliance / dpa

Auch eierlegende Säugetiere halten Winterschlaf. Der in Tasmanien lebende Schnabeligel senkt im Frühling gezielt seine Körpertemperatur. Die Wahl des Quartiers ist für die Tiere dabei besonders wichtig, um Energie zu sparen.

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          Säugetiere können sich auch bei kühlem Wetter warmhalten. Dass sie ihre Körpertemperatur unabhängig von der Außentemperatur regulieren, hat jedoch seinen Preis. Sie haben nämlich einen um ein Vielfaches höheren Energiebedarf als Reptilien. Eine hohe Temperatur gleichmäßig aufrechtzuerhalten ist besonders für kleine Säugetiere kostspielig, weil deren Körperoberfläche im Verhältnis zur Masse relativ groß ist. Viele dieser Tiere, die entsprechend viel Wärme an die Umgebung verlieren, verzichten deshalb zeitweilig darauf, ihre Körpertemperatur auf hohem Niveau zu halten. Sie verbringen die kalte Jahreszeit im Winterschlaf.

          Über diese Fähigkeit, sich aus dem aktiven Leben zurückzuziehen, verfügt auch ein Vertreter der eierlegenden Säugetiere, der Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus). Wie Murmeltiere und Igel können diese Tiere ihre Körpertemperatur gezielt absinken lassen. Das haben Stewart Nicol und Niels Andersen von der University of Tasmania in Hobart an frei umherstreifenden Schnabeligeln nachgewiesen. Sie hatten ihre „Probanden“ mit winzigen Messgeräten bestückt, die stündlich die Körpertemperatur aufzeichneten. Zusätzlich mit einem kleinen Sender ausgestattet, ließen sich auch gut versteckte Tiere jederzeit aufspüren.

          Mit 32 Grad begnügt sich der Schnabeligel

          Wenn hierzulande der Frühling beginnt, ziehen sich die tasmanischen Schnabeligel zum Winterschlaf zurück. Sie verkriechen sich unter dichten Grasbüscheln, graben sich in einen morschen Baumstamm hinein oder verschwinden einfach im Boden, indem sie mit allen Vieren zugleich das Erdreich zur Seite scharren. Von Natur aus nicht sonderlich heißblütig, begnügen sich auch emsig tätige Schnabeligel mit einer Körpertemperatur von etwa 32 Grad Celsius.

          Da ein kompakter Körperbau und dichtes Fell den Wärmeverlust in Grenzen halten, dauert es fast zwei Tage, bis sich ein vier Kilogramm schweres Tier auf zehn Grad abgekühlt hat. Das berichten die Forscher im „Journal of Experimental Biology“ (Bd. 210, S. 586). Dabei sinkt der Energieumsatz auf etwa ein Zehntel des Wertes, bei dem der Stoffwechsel normalerweise in Gang gehalten wird.

          Behaglicheres Quartier statt Energiesteigerung

          Bei der Wahl ihres Winterquartiers achten die Schnabeligel darauf, dass ihnen das Quartier die Möglichkeit bietet, im bevorzugten Temperaturbereich von etwa zehn Grad zu bleiben. Bei noch mildem Wetter im April bevorzugen sie einen relativ kühlen Unterschlupf und wechseln später, wenn es dort zu kalt wird, an einen wärmeren Schlafplatz. Von solchen Umzügen abgesehen, verhalten sich die Schnabeligel wie andere Winterschläfer. Im Abstand von einigen Wochen fahren sie ihren Energieumsatz kurzzeitig hoch und wachen ein paar Stunden auf, um Darm und Blase zu entleeren.

          Auch wenn ihre Körpertemperatur unter fünf Grad sinkt, kurbeln sie ihren Stoffwechsel umgehend an. Anders als Murmeltiere und europäische Igel steigern sie ihren Energieumsatz allerdings nicht dauerhaft, um ihre Temperatur auf einem erträglichen Niveau zu halten. Schnabeltiere suchen sich lieber ein behaglicheres Quartier. Da sie in dem milden Klima von Tasmanien nie mit sonderlich starkem Frost konfrontiert werden, können sie auf diese Weise die „Heizkosten“ minimieren und trotzdem heil über den Winter kommen.

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