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Wie Hunde uns manipulieren : Der treue Blick beeinflusst den Menschen subtil

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Links neutral, rechts mit „Hundeblick“: der Hund der Studienautorin Juliane Kaminski Bild: Juliane Kaminski

Zeigen Hunde häufig den „treuen Blick“, werden sie schneller aus dem Tierheim geholt - das beweist nun eine Studie deutscher und britischer Verhaltensbiologen.

          Dass Hunde mit Kindchenschema beim Menschen besonders beliebt sind, verrät ein Blick in die Welpenstatistik des deutschen Rassehundezuchtverbands: Seit Jahren rangieren kulleräugige und kurzschnäuzige Rassen dort weit oben, etwa Möpse und Französische Bulldoggen. Welpen dieser Rassen werden in besonders großer Zahl gezüchtet, sie finden zuverlässig Abnehmer. Und auch wissenschaftlich ist abgesichert, dass eine derart niedliche Gesichtsform auf Menschen besonders reizvoll wirkt: „Man weiß schon länger, dass Menschen Hunde mit größeren Augen vorziehen“, sagt die Verhaltensbiologin Juliane Kaminski von der University of Portsmouth in Großbritannien, die nun im Fachmagazin „Plos One“ zeigen konnte, dass kindliche Gesichtsproportionen nicht das einzige Merkmal sind, das Hunden beim Menschen Vorteile verschafft (doi:10.1371/journal.pone.0082686).

          Kaminskis Team analysierte mit einem speziellen Computerprogramm die Mimik von 27 Tierheimhunden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Tiere, die den typischen „Hundeblick“ häufiger als andere zeigten, auch schneller aus dem Tierheim geholt wurden. Der Blick, der häufig als „treu“ bezeichnet wird, kommt durch die Kontraktion des Gesichtsmuskels zustande, der die Augenbraue nach oben zieht. Damit erscheinen Auge und Augenhöhle größer im Vergleich zum Rest des Gesichts, womit jugendliche Proportionen vorgetäuscht oder verstärkt werden. „Bisher wusste man nicht, dass auch Gesichtsbewegungen eine Rolle spielen und nicht nur die unveränderliche Anatomie ausschlaggebend ist“, erklärt Kaminski. Wenn die Hunde viel mit dem Schwanz wedelten, beschleunigte das hingegen die Abgabe aus dem Tierheim nicht. „Subtilere Faktoren scheinen eine größere Rolle zu spielen“, so Kaminskis Fazit.

          Analyse mit Computerprogramm

          Um den Einfluss der Hunderasse und die morphologischen Unterschiede so gering wie möglich zu halten, wurden nur Mastiff-artige Hundetypen in die Studie aufgenommen, etwa Bullmastiffs oder Bullterrier. Analysiert wurde die Hundemimik mit einem eigens geschriebenen Computerprogramm, das auf Muskelbewegungen fokussierte. Ob die Menschen, die sich einen Hund im Tierheim aussuchten, wirklich auf die „Welpenhaftigkeit“ des Gesichtsausdrucks ansprachen oder auf andere Aspekte, ist noch unklar. Menschen setzen genau diese Muskelbewegung ein, wenn sie einen traurigen Gesichtsausdruck zeigen. Insofern könnte auch die Interpretation der Mimik als Traurigkeit die Menschen bewogen haben, den betreffenden Hunden zu helfen.

          Wurde der Hund auch wegen seines niedlichen Blickes zum besten Freund des Menschen?

          Und eine weitere Frage lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantworten: Sind diejenigen Hunde, die hochfrequent „treu blicken“, tatsächlich freundlicher und verträglicher? Ist das Signal also „wahr“? „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese Hunde tatsächlich die ,besseren‘ Hunde sind“, sagt Kaminski. Ungeklärt ist auch, ob Hunde gezielt niedlich blicken. „Wir untersuchen jetzt in weiteren Studien, wie kontrolliert die Hunde diese Mimik einsetzen, ob sie den Blick beispielsweise in kommunikativen Situationen häufiger zeigen.“ Für Kaminski, die bis 2012 am Max Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig forschte, stellt sich auch die Frage nach der Rolle, die der Hundeblick in der Domestikation gespielt hat. „Der neueste Stand ist, dass der Wolf vor 30 000 Jahren domestiziert wurde“, erklärt die Biologin. „Damals waren die Menschen noch Jäger und Sammler. Seit man weiß, wie lange die Domestikation wirklich zurückliegt, glaubt man nicht mehr, dass sie von Anfang an sehr gezielt vonstatten ging, da der Mensch damals keine Dörfer und Gehöfte hatte, in denen er entscheiden konnte, den einen Wolf hineinzulassen und den anderen nicht.“ Man gehe derzeit davon aus, dass sich damals zunächst lose Jagdgemeinschaften bildeten. „Ein weiterer Selektionsschritt fand vermutlich statt, als der Mensch sich niederließ“, sagt Kaminski. Zu diesem Zeitpunkt könne der Hundeblick dann durchaus eine Rolle gespielt haben.

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