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Welt-Pangolin-Tag : Wehrlos wie ein Tannenzapfen

  • -Aktualisiert am

Das Pangolin verschläft den lieben langen Tag und wird erst munter, wenn es dunkel wird. Bild: Picture Press/Chien C. Lee

Am 20. Februar war der „Tag des Pangolins“. Noch nie davon gehört? Sollte man aber, denn das seltsame Tier ist aufs Ärgste bedroht.

          Sie tragen einen Schuppenpanzer und sind dennoch keine Echsen, sondern Säugetiere. Und zwar die weltweit am häufigsten geschmuggelten: Rund 23.400 Pangoline wurden zwischen 2011 und 2013 sichergestellt, obwohl das internationale Washingtoner Artenschutzabkommen jeglichen Handel verbietet. Dass man hierzulande trotzdem noch nie von ihnen gehört hat, ist nicht weiter verwunderlich, denn in ganz Europa leben nur zwei dieser nachtaktiven Einzelgänger, zu finden im Zoo von Leipzig.

          Dorthin hatten Aktivisten geladen, um auf die gleichermaßen seltsamen wie bedrohten Tiere aufmerksam zu machen. Am 20. Februar, dem eigens dazu ausgerufenen „Welt-Pangolin-Tag“, konnte man die Zooinsassen Tou Feng und Quesan bestaunen und so sein Interesse für die Erhaltung ihrer wilden Verwandtschaft bekunden. Die steht tatsächlich auf der Tagesordnung: Alle acht heute noch existierenden Schuppentierarten der Gattung Manis stehen auf der Roten Liste. Vier von ihnen sind in Asien beheimatet, vier in Afrika. Nach Angaben der Tierschutzorganisation „Rettet den Regenwald“ könnten das Chinesische (M. pentadactyla) und das Sunda-Pangolin (M. javanica) innerhalb der nächsten 15 Jahre aussterben. Bereits am Donnerstag hatten Tierschützer in Berlin den Botschaften von Vietnam und China deshalb eine Petition zum Schutz der Pangoline übergeben.

          Schutzlos trotz Schuppenpanzer

          Ihr Lebensstil macht die Schuppentiere zu einer leichten Beute: Pangoline verbringen bis zu zwanzig Stunden am Tag schlafend. Wenn sie nicht gerade Gefahr wittern, bewegen sie sich langsam und behäbig fort und wackeln dabei unablässig mit dem Kopf. Fühlen sich Pangoline bedroht, fliehen sie in ihren Bau oder rollen sich zusammen; ihr Name leitet sich vom malaiischen Wort peng-guling, zu deutsch „Einroller“, ab. Dabei wird der lange Schwanz über Bauch und Gesicht gezogen, so dass empfindliche Körperteile geschützt sind. Von den gepanzerten Kugeln wenden sich die meisten Angreifer desinteressiert ab, denn die scharfen Enden der Schuppen stehen nach außen ab wie bei einem geöffneten Tannenzapfen, weshalb auch der Name „Tannenzapfentier“ kursiert. Allerdings schützt sie diese passive Verteidigungsstrategie nicht vor Wilderern - die wehrlosen Tiere lassen sich ohne weiteres einsammeln.

          Ihr Fleisch gilt in China, Vietnam und Afrika als Delikatesse, die Schuppen werden zu einem feinen Pulver zermahlen, das beispielsweise in der Traditionellen Chinesischen Medizin Verwendung findet. Die Liste der Beschwerden, die sich damit angeblich lindern lassen, ist lang und reicht von Asthma über Durchblutungsstörungen und Entzündungen bis hin zu Rheuma und Vergiftungen, selbst bei Brustkrebs wird es empfohlen. Auch traditionelle Heiler in Nigeria oder Ghana verabreichen die verschiedensten Körperteile der Pangoline, unter anderem gegen Narben, Epilepsie, Unfruchtbarkeit oder als Schutzzauber. Die Nachfrage ist groß: Im März 2008 wurden in Vietnam 24 Tonnen tiefgefrorener Exemplare entdeckt. In Indonesien waren es bald darauf 14 Tonnen, zehn Tonnen im April 2013 auf den Philippinen.

          Ohren zu und durch

          Pangoline erreichen eine Körpergröße von 30 bis 85 Zentimetern. Umso imposanter erscheint ihre Zunge, die im Fall des Riesenpangolins bis zu siebzig Zentimeter lang und klebrig ist. Das sowie die Grabkrallen und ein exzellenter Geruchssinn weisen auf die besondere Diät der Tiere hin: Als Insektenfresser ernähren sie sich fast ausschließlich von Termiten und Ameisen. Wenn die Schuppentiere kopfüber im Bau ihrer Beutetiere stecken, können sie Ohren und Nasenlöcher verschließen, so dass kein Krabbeltier eindringen kann. Zähne besitzen sie keine, die Nahrung wird durch verschluckte Steinchen im Muskelmagen zerrieben. So verzehrt ein erwachsenes Tier jährlich an die 70 Millionen Insekten und spielt damit eine wichtige Rolle im Ökosystem.

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