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Vögel : Alte Albatrosse jagen schlecht

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Albatrosse können mehr als 50 Jahre alt werden Bild: AP

Albatrosse gehören zu den Tieren mit hoher Lebenserwartung. Sie können mehr als 50 Jahre alt werden. Im Alter läßt allerdings ihre Effizienz bei der Futtersuche nach. Auch der Bruterfolg nimmt ab.

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          Altersschwäche ist ein Schicksal, das der Mensch nur mit wenigen Tierarten teilt. In freier Natur sind Freßfeinde gewöhnlich rasch zur Stelle, wenn sich erste Zeichen von Schwäche zeigen. Zu jenen, denen kein solch abruptes Ende droht, gehören nicht nur große wehrhafte Säugetiere wie Löwen und Elefanten. Daß bestimmte langlebige Vögel ebenfalls zu dieser Kategorie zählen, haben unlängst Wissenschaftler um Paulo Catry und Richard Phillips vom British Antarctic Survey in Cambridge herausgefunden. Studien des Graukopf-Albatros (Thalassarche chrysostoma) ergaben allerdings, daß ältere Tiere bei der Futtersuche minder erfolgreich sind als Artgenossen mittleren Alters.

          Die Albatrosse auf Bird Island, einer kleinen Insel vor Südgeorgien, stehen schon seit Jahrzehnten unter Beobachtung. Im Jahre 1958 wurden dort die ersten Vögel beringt, seit 1975 wird auch alljährlich registriert, ob die markierten Tiere brüten und ob ihr Nachwuchs flügge wird. Daß junge Brutpaare ihre Elternrolle noch nicht perfekt beherrschen und im Durchschnitt deshalb weniger Sprößlinge großziehen als erfahrene Artgenossen, ist auch von anderen Vogelarten bekannt. Bei den Graukopf-Albatrossen beobachteten die Forscher, daß der Bruterfolg mit zunehmendem Alter wieder nachläßt (“Proceedings of the Royal Society“, Teil B, Bd. 273, S. 1625).

          Mitte dreißig die besten Tage hinter sich

          Mit mehr als 35 Jahren haben die Albatrosse nicht nur deshalb weniger Nachkommenschaft, weil aus dem abgelegten Ei deutlich seltener ein Küken schlüpft als bei Brutpaaren mittleren Alters. Alte Vögel tun sich auch schwerer, ausreichend Nahrung zu finden. Betagte Albatros-Männchen müssen ihre Jagdausflüge um etliche Tage verlängern, weil sie pro Tag deutlich weniger Körpergewicht zulegen als jüngere Artgenossen. Wenn Weibchen besser abschneiden, heißt das nicht unbedingt, daß sie länger in Form bleiben. Während der Brutzeit nutzen sie nahe gelegene Fischgründe. Die Männchen müssen dagegen weit umherstreifen und stoßen daher schneller an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

          In den Zwanzigern optimal gerüstet für den Bruterfolg: der Albatros

          Erst als Teenager fortpflanzungsfähig, zeigen sich Albatrosse in den Zwanzigern optimal gerüstet für das Brutgeschäft. Mitte dreißig scheinen sie ihre besten Tage hinter sich zu haben, sind aber noch längst nicht am Ende. Vier Graukopf-Albatrosse, die in die Studie einbezogen wurden, waren 44 Jahre alt, andere wohl noch ein paar Jahre älter. Von ihren großen Verwandten, den Wanderalbatrossen, ist bekannt, daß sie mehr als 50 Jahre alt werden können. Die Chancen, tatsächlich ein so hohes Alter zu erreichen, stehen derzeit allerdings nicht gut. Allzuoft wird Albatrossen zum Verhängnis, daß sie sich gern an den Ködern vergreifen, mit denen Hochseefischer ihre Langleinen bestücken.

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