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Verhaltensforschung : Der Hund hat den Vokabeltest bestanden

  • Aktualisiert am

„Rico” weiß, wann er Garfield beißen soll Bild: dpa/dpaweb

Eine neue Studie weist nach, daß Hunde - wie Kleinkinder - schnell und assoziativ lernen können. Allerdings ist die Zahl der erlernten Vokabeln beim treuesten Freund des Menschen deutlich geringer.

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          Unter Hundebesitzern "menschelt" es mitunter gewaltig. Gerne werden Vergleiche zu menschlichem Verhalten gezogen. Ironischerweise war Konrad Lorenz wegen solcher Anthropomorphismen in seinen Tierstudien gerne von den Fachkollegen belächelt worden. Inzwischen aber scheint selbst die seriöse Wissenschaft Gefallen an der "menschlichen Ader" unserer fernen Verwandten zu finden, ob sie sie bei Affen suchen, bei Vögeln, Delphinen, Fischen oder Reptilien.

          Daß die Verhaltensforscher nun solche psychologischen Parallelen auch bei unserem treuesten Begleiter, dem Hund, finden, muß deshalb nicht überraschen. Hunde seien in der Lage, heißt es in einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Veröffentlichung der Zeitschrift "Science" (Bd. 305, S. 1682), die Bedeutung unbekannter Wörter zu erraten und blitzschnell zu erlernen - ganz so wie Kleinkinder. Daß es sich bei den Autoren dieser neuesten Studie freilich ausgerechnet um Forscher der Max-Planck-Gesellschaft handelt, nur wenige Monate nach der Abwicklung der ehemaligen Lorenz-Forschungsstätte am Max-Planck-Institut in Seewiesen, ist eine durchaus bemerkenswerte Koinzidenz.

          Schnelles, assoziatives Lernen

          Lorenz' Spuren führen jetzt nach Leipzig. Am dortigen Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben Josep Call, Julia Fischer und Juliane Kaminski die vor allem bei Affen begonnenen Verhaltensexperimente auf Hunde ausgedehnt. Im Mittelpunkt steht dabei der neun Jahre alte Bordercolli "Rico", ein außerordentlich lernwilliger Geselle. Er kennt inzwischen mehr als 200 "Vokabeln" - Begriffe vor allem für Spielsachen. Wenn man ihm unter sieben dieser ihm bekannten Dinge einen unbekannten Gegenstand mischt und ihm befiehlt, diesen zu holen, löst er die Aufgabe meistens richtig.

          Der Hund bringt die ihm unbekannte "Vokabel" mit dem neuen Gegenstand in Verbindung. Mehr noch: Die so erlernte Bedeutung des Wortes kann er auch nach vier Wochen noch mit dem Gegenstand verbinden. "Fast mapping" nennt man diese Art des schnellen, assoziativen Lernens. Offenkundig ist diese Fähigkeit nicht nur Kleinkindern eigen, die auf diese Weise bis zu einem Dutzend Wörter am Tag lernen - was auch darauf schließen läßt, daß diese Eigenschaft keineswegs nur mit dem Erlernen der menschlichen Sprache zusammenhängt.

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