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Veränderte Umwelt für Insekten : Düfte verwirren den Falter

  • -Aktualisiert am

Tabakschwärmer bei der Aufnahme von Nektar Bild: Kiley Riffell

Die Gerüche, die Menschen produzieren, können Insekten bei der Bestäubung von Pflanzen verwirren. Forscher zeigten den enormen Einfluss jetzt am Beispiel des Tabakschwärmers.

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          Die Gerüche von Benzin und Lösungsmitteln, die Menschen produzieren, könnten Insekten bei der Bestäubung von Pflanzen verwirren und vom Weg abbringen – diesen Verdacht erhärten nun Wissenschaftler um Jeffrey Riffell von der University of Washington in der Zeitschrift „Science“. Die Forscher untersuchten die Fähigkeiten des Tabakschwärmers (Manduca sexta), seine Lieblingspflanze, den kalifornischen Stechapfel, der auch als Wrights Stechapfel (Datura wrightii) bezeichnet wird, ausfindig zu machen (doi: 10.1126/science.1251041). Dabei gelten für die Nachtfalter schon ohne Einflussnahme des Menschen in der unberührten Natur erschwerte Bedingungen: Wrights Stechapfel wächst häufig in dichten Kreosotbüschen, die ebenfalls einen intensiven Geruch verströmen, der sogar einige der gleichen flüchtigen Stoffe enthält wie die Zielpflanze der Falter.

          Die Forscher steigerten den Schwierigkeitsgrad nun: Zunächst sperrten sie die Tabakschwärmer in einen Windkanal und schickten computergesteuert den Duft der Lieblingspflanze, deren Nektar die Falter bevorzugen, in festgelegten Frequenzen hindurch. Bei einer Frequenz von einem Hertz hatten die Tabakschwärmer die besten Chancen, Wrights Stechapfel erfolgreich zu lokalisieren. Schon bei mehr als zwei Hertz waren die Insekten dagegen ähnlich desorientiert und erfolglos wie die Kontrollen, nämlich Artgenossen, die im Windkanal keinerlei Düften ausgesetzt wurden. Anschließend variierten die Wissenschaftler den „Dufthintergrund“. Sie entließen zwar die Geruchsfahne von Wrights Stechapfel in den Kanal, konfrontierten die Falter aber zugleich massiv mit weiteren Duftnoten – zum einen mit Benzaldehyd, das auch Datura wrightii selbst verströmt, im zweiten Anlauf dann mit Ethylsorbat, das sich nicht im Geruchsprofil der Zielpflanze findet. Bei Letzterem blieb die Pflanze mit den zarten weißen Blüten auffindbar, bei Ersterem versagten die verwirrten Falter. Dass auch ihre neuronale Verarbeitung sich veränderte, zeigten die mit einer Elektrode abgegriffenen Signale aus dem Antennenlappen ihres Gehirns, in dem Düfte wahrgenommen werden.

          Menschengemacht

          Die Forscher simulierten auch typische städtische und damit menschengemachte Geruchsprofile, um deren Einfluss zu untersuchen. Sie setzten die Falter den Duftnoten von Toluen aus, das sich etwa in Benzin findet, und von Xylol, das in Lösungsmitteln vorhanden ist. Beides verringerte die Fähigkeit der Insekten, Wrights Stechapfel und damit den ersehnten Nektar aufzufinden.

          Zusammenfassend schreiben Riffell und seine Kollegen, dass der Einfluss des Geruchshintergrunds auf bestäubende Insekten enorm sei. Die Insekten hätten durch Emissionen aus Städten nicht nur generell Schwierigkeiten, die Pflanzen, die sie bestäuben, überhaupt noch aufzufinden, auch die Entfernung, in der sie dazu noch in der Lage sind, könne sich verändern.

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