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Umwelt : Der morbide Duft der Ulme

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Einst grünte es so grün, nun sind Ulmen rar geworden Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Pilzparasit „Ophiostoma nova ulmi“ manipuliert Ulmen zu ihrem eigenen Schaden. Er zwingt die Bäume, Duftstoffe zu produzieren und damit ihre natürlichen Feinde anzulocken: die Ulmensplintkäfer.

          Ob im Wald oder im Stadtpark - Ulmen sind rar geworden. Hinter diesem Ulmensterben steckt ein parasitischer Pilz. Wo er sich zwischen Holz und Borke ausbreitet, zerstört er nicht nur das Gewebe, das für den jährlichen Zuwachs des Baumstamms sorgt. Er dringt auch in die Leitungsbahnen ein, die von den Wurzeln bis in die Krone reichen.

          Ist diese Wasserleitung blockiert, müssen Blätter und Zweige verdorren. Neue Opfer findet der Erreger des Ulmensterbens mit Hilfe von Ulmensplintkäfern. Da sich diese kleinen Käfer ebenfalls zwischen Holz und Borke einnisten, tragen sie oft Pilzsporen von einem Baum zum anderen. Auf so ein Transportvehikel muß der destruktive Pilz gewöhnlich nicht lange warten.

          Er kann sogar dafür sorgen, daß die Ulmen den Käfer regelrecht herbeilocken. Das haben Wissenschaftler um Geoff McLeod von der Simon Fraser University in Burnaby (British Columbia) und Stephan von Reuß von der Universität Hamburg unlängst bei der amerikanischen Ulme (Ulmus americana) entdeckt.

          Ulmensterben

          Aus dem Holz einiger Bäume, die dem Ulmensterben zum Opfer gefallen waren, isolierten die Forscher ein breites Spektrum von Duftstoffen. Für vier dieser Substanzen zeigt sich der Geruchssinn des amerikanischen Ulmensplintkäfers (Hylurgopinus rufipes) besonders empfänglich.

          Stattet man klebrige Fallen mit einem solchen Duftcocktail aus, ziehen sie Käfer beiderlei Geschlechts unwiderstehlich an („Proceedings of the Royal Society of London“, TeilB, Bd.272, S.2499). Beta-Pinen, das einzige Monoterpen in diesem attraktiven Viererpack, wird mitunter auch von gesunden Ulmen freigesetzt. Die drei Sesquiterpene sind nur für kranke Bäume typisch, stammen offenbar aber nicht von den Pilzfäden selbst.

          Auf einem künstlichen Nährmedium herangezogen, verströmt der Pilz keine entsprechende Duftnote. Anscheinend zwingt er die Bäume, die Stoffe zu produzieren und so die Ulmensplintkäfer anzulocken. Damit ist erstmals nachgewiesen, daß ein Parasit eine Pflanze zu ihrem eigenen Schaden manipulieren kann. Zusätzlich von Käfern geplagt, erliegen die Bäume um so schneller dem Ulmensterben.

          Zerstörerischer Pilz

          Die verheerende Ulmenkrankheit grassiert auch auf der hiesigen Seite des Atlantiks. Der parasitische Pilz Ophiostoma ulmi, in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts nach Nordamerika verschleppt, ist von dort gegen Ende der sechziger Jahre wieder zurückgekehrt, und zwar in Form von Ophiostoma nova ulmi.

          Vielleicht ist diese neue Version nicht zuletzt deshalb destruktiver als die alte, weil sie ihre fliegenden Helfer so effizient mobilisiert. Auch hierzulande wird der Pilz durch bestimmte Arten von Borkenkäfern verbreitet. Ob er auch europäische Ulmen dazu bringen kann, daß sie die Käfer mit Duftsignalen auf sich aufmerksam machen, ist allerdings noch nicht geklärt.

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