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Tsunami : Entwurzelte Korallenriffe

  • -Aktualisiert am

Geschädigtes Korallenriff Bild: picture-alliance / dpa

Der Natur hat der Tsunami nur bedingt geschadet. Die Korallenriffe vor der Nordküste Sumatras haben die Folgen der Flutwellen Ende vergangenen Jahres offenbar besser überstanden als erwartet.

          Die Korallenriffe vor der Nordküste Sumatras haben den verheerenden Tsunami Ende vergangenen Jahres offenbar besser überstanden als erwartet. Zu diesem Schluß kommen australische und indonesische Forscher nach einer gründlichen Untersuchung einiger Riffe in der Nähe der Inseln, die der Provinzhauptstadt Banda Aceh vorgelagert sind. Allerdings sind intakte Korallenriffe offenbar nicht dazu geeignet, die zerstörerische Kraft von Tsunamis an Land zu mildern.

          Im März 2003 hatte die Forschergruppe um Andrew Baird von der James Cook University in Townsville (Australien) die Korallenbestände vor den Inseln Pulau Aceh und Pulau Weh katalogisiert. Diese hauptsächlich von Fischern bewohnten Inseln liegen zwanzig bis dreißig Kilometer nördlich der Bucht von Banda Aceh, jenem Küstenabschnitt in Nordsumatra, in dem der Tsunami die größten Zerstörungen angerichtet hatte. Anfang April dieses Jahres suchte die Forschergruppe die Riffe abermals auf und verglich den Bestand an Korallen nach dem Tsunami mit den früheren Befunden.

          Drei Wellen des Tsunami nahmen den Halt

          Wie die Gruppe jetzt in der Zeitschrift „Current Biology“ (Bd. 15, S. 1926) feststellt, sind die Schäden an den Korallen, die auf festem Untergrund wuchsen, überraschend gering. Sie beschränken sich im wesentlichen auf abgebrochene Äste. Auch die Artenvielfalt in den Riffen unterscheidet sich kaum von jener vor dem Tsunami. Demgegenüber haben die auf lockerem Untergrund wachsenden Korallen erhebliche Schäden davongetragen. Als Ursache dafür nennt die Gruppe die Tatsache, daß der Tsunami in dieser Gegend aus mindestens drei getrennten Wellen bestanden hat.

          Die erste dieser Wellen unterspülte die Korallenbänke und raubte ihnen damit den festen Halt. Deshalb konnten die nachfolgenden Wellen die Korallen entweder umkippen oder losreißen und Hunderte von Metern weit an Land spülen. Der Tsunami zerstörte dabei vor allem jene flachgründenden Korallen, die bereits durch das bis vor einigen Jahren in indonesischen Küstengewässern übliche Fischen mit Sprengstoff angegriffen worden waren.

          Weniger Licht wegen Trübung des Meerwassers

          An manchen der Korallenbänke, welche die Kraft des Tsunamis überstanden hatten, fanden Baird und seine Gruppe allerdings ebenfalls Schäden. Dabei handelte es sich vor allem um ein Ausbleichen, das durch veränderte Lichtbedingungen im flachen Wasser verursacht worden ist. Der Einfall von Sonnenlicht war nach dem Tsunami geringer, weil die Wellen große Mengen Sedimentpartikeln aufgewirbelt hatten, die längere Zeit als Schwebstoffe im Wasser blieben. Außerdem kam es nach dem Tsunami zu stärkerer Erosion in den Mündungen von Flüssen und Bächen, was ebenfalls zur Trübung des Meerwassers führte.

          Die Gruppe verglich schließlich die Tsunamischäden hinter intakten Korallenbänken mit jenen hinter Bänken, die bereits vor der Katastrophe Umweltschäden aufgewiesen hatten. Dabei zeigte sich, daß gesunde Korallenriffe ebensowenig Schutz vor der zerstörerischen Kraft des Tsunamis boten wie tote Korallen oder Flachwasserzonen völlig ohne Korallenbewuchs.

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