https://www.faz.net/-gwz-wzat

Trickspiele im Naturreich : Wie Wespen von Orchideen genarrt werden

  • -Aktualisiert am

Die Blüten der Breitblättrigen Stendelwurz verheißen fleischliche Kost, bieten aber nur Nektar Bild: Universität Ulm

Hinters Licht geführt: Ein besonders raffiniertes Betrugsmanöver hat die Breitblättrigen Stendelwurz auf Lager. Sie täuscht einen Raupenbefall vor. Fleischliche Kost finden Wespen dort nicht, aber immerhin werden sie mit Nektar belohnt.

          1 Min.

          Viele Orchideen sind wahre Meister im Täuschen und Tricksen. Wenn es darum geht, sich die Bestäubung zu sichern, locken sie Insekten durch Vorspiegelung falscher Tatsachen an. Auf ein besonders raffiniertes Betrugsmanöver ist jetzt eine deutsch-österreichische Forschergruppe bei einer heimischen Orchidee gestoßen, der Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine).

          Diese oft an Waldrändern und im Unterholz wachsende Pflanze wird vor allem von Wespen bestäubt. Honigbienen und Hummeln indessen sind kaum an den Blüten zu finden - eine Beobachtung, die schon Charles Darwin in Erklärungsnot gebracht hat. Nun ist das Rätsel gelöst. Wie die Gruppe um Jennifer Brodmann und Manfred Ayasse vom Institut für Experimentelle Ökologie der Universität Ulm herausgefunden hat, täuscht die Stendelwurz den Wespen auf chemischem Weg einen Raupenbefall vor.

          Das Bukett verheißt eine lohnende Futterquelle

          In Erwartung eines fetten Happens, den sie ihren Larven verfüttern können, eilen dann die Insekten herbei und machen sich an den Blüten zu schaffen. Fleischliche Kost finden sie dort zwar nicht, aber immerhin werden sie mit Nektar belohnt, so dass sie gern auch weitere Blüten der Stendelwurz aufsuchen und dort ihre Bestäuberdienste verrichten. Wie schon länger bekannt ist, setzen manche Pflanzen bestimmte Duftstoffe frei, wenn sie verletzt werden, etwa durch fressende Raupen.

          Bei diesen Substanzen handelt es sich vorwiegend um Aldehyde, Alkohole und Acetate. Dieses Bukett verheißt Wespen eine lohnende Futterquelle. Wie die Forscher in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Current Biology“ (doi:10.1016/j.cub.2008.04.040) berichten, ließen sich an den Blüten der Breitblättrigen Stendelwurz insgesamt sieben einschlägige Duftstoffe nachweisen. Diese verursachten eine elektrophysiologische Reaktion in den Antennen der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) und der Deutschen Wespe (Vespula germanica).

          Duftstoff als Wespenfalle

          In eleganten Experimenten konnten die Forscher belegen, dass es die Duftstoffe sind und nicht visuelle Reize, mit denen die sozial lebenden Insekten angelockt werden. Das Bukett ähnelt demjenigen, das Kohlpflanzen abgeben, die von Raupen des Kohlweißlings befallen sind. Dass der pflanzliche „Hilferuf“ auch in den Dienst der Bestäubung gestellt werden kann, haben die Biologen zuvor nicht gewusst. Die Ulmer Forscher untersuchen nun, ob sich die Duftstoffe zur Herstellung einer Wespenfalle eignen.

          Weitere Themen

          Hafer mit und ohne Blues

          Ab in die Botanik : Hafer mit und ohne Blues

          Hafer, das ischt, was man haben muss. Das ischt der Haferblues, der Super-Doppelzentner-Haferblues: Überall gibt es jetzt Porridge. Was aber tun, wenn man den Brei verabscheut?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.