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Tiere : Gut gespuckt ist halb gewonnen

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Der Schützenfisch kann mit einem gezielten Wasserstrahl Insekten abschießen, die sich meterweit entfernt über dem Wasserspiegel befinden. Dafür muß er aber ein Rechenkünstler sein.

          Der Schützenfisch ist ein Meister im Weitspucken. Selbst kaum spannenlang, kann er mit einem gezielten Wasserstrahl Insekten abschießen, die sich meterweit entfernt über dem Wasserspiegel befinden. Dabei muß er damit zurechtkommen, daß sich die Ausbreitungsrichtung des Lichts an der Grenze zwischen Luft und Wasser verändert. Trotz des verzerrten Bildes spuckt der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) treffsicher. Aber damit hat er noch nicht gewonnen. Vielmehr muß er auch noch abschätzen, wo die Beute auf dem Wasser landen wird. Das gelingt ihm punktgenau, wie Saskia Wöhl und Stefan Schuster von der Universität Erlangen Nürnberg herausgefunden haben.

          Als Untersuchungssobjekte dienten, wie die Forscher im „Journal of Experimental Biology“ (Bd.209, S.141) berichten, junge Tiere, einquartiert in geräumigen Aquarien. In ihrer angestammten Heimat - Flußläufen und Brackwasserzonen in Südostasien - erbeuten die Schützenfische allerlei exotische Insekten. Sie spucken jedoch ebenso eifrig nach hiesigen Schmeißfliegen, die ihnen von den Forschern angeboten wurden. Gut sichtbar vor einem weißen Hintergrund plaziert, luden die Fliegen in unterschiedlicher Höhe über dem Wasser zum Zielschießen ein.

          Nicht zuschauen, sondern rechnen!

          Nach einem Treffer ist Eile geboten, denn meist versuchen Artgenossen, dem Schützen die Beute wegzuschnappen. Ehe die Schützenfische zielstrebig losschwimmen, beobachten sie den Absturz der Fliege nur etwa hundert Millisekunden lang. Um vorhersagen zu können, wo das Insekt auftrifft, müßten sie die Richtung des freien Falls, die anfängliche Geschwindigkeit und die Fallhöhe in ihre Berechnungen einbeziehen. Videoaufnahmen belegen, daß sie das tatsächlich schaffen.

          Ob ein Fisch selbst gezielt oder nur zugeschaut hat, scheint keine Rolle zu spielen. Stets dreht er sich blitzschnell zum voraussichtlichen Landeplatz der Fliege hin und schwimmt geradewegs darauf zu. Dabei wählt er zunächst eine Geschwindigkeit, mit der er etwa fünfzig Millisekunden nach der Beute eintreffen würde. So kann er sicher sein, nicht aus Versehen übers Ziel hinauszuschießen. Vermutlich passen sie ihr Tempo unterwegs an, wenn sie die abgeschossene Fliege im Auge behalten können. Wenn sie blindlings darauf zusteuern, scheint es ratsamer, nicht zu zeitig ans Ziel zu kommen.

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