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Tier-Kommunikation : Ich Flipper, du Jane!

  • -Aktualisiert am

Pfeifen sich ihre Namen zu: Delphine Bild: AP

Delphine sprechen sich offenbar mit Namen an. Unter Säugetieren ist diese Praxis ungewöhnlich, unter Vögeln allerdings gang und gäbe.

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          Sie gehört zu den ganz großen Herausforderungen für werdende Eltern: die Namenssuche. Die Entscheidung fällt dann oft ganz spontan beim Anblick des Neugeborenen: „Das muß ein Moritz-Maximilian sein!“

          Sehr viel einfacher ist die Sache beim Großen Tümmler. Jungtiere dieser Delphinart, zu der auch Fernsehstar Flipper gehörte, suchen sich ihren Namen einfach selber aus. „Sie hören sich zunächst eine Weile lang die Lautäußerungen ihrer Artgenossen an und entwickeln dann ihren eigenen, möglichst eigenständigen Signaturpfiff“, sagt der deutsche Biologe Vincent Janik, der an der Universität im schottischen St. Andrews die kommunikativen Fähigkeiten der Meeressäuger studiert.

          Signaturpfiff enthält Namen des Tümmlers

          Schon länger weiß man, daß das bisher kaum verstandene System aus Pfeif-, Quietsch- und Knarzlauten, mit dem Tümmler die Weltmeere beschallen, auch das Pendant eines individuell einzigartigen Namens enthält, den sogenannten Signaturpfiff. Für eine Studie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PNAS wiesen Janik und zwei amerikanische Kollegen nun nach, daß dieses besonders obertonreiche Pfeifen die Identität des Pfeifers nicht nur durch dessen individuelle Stimmeigenschaften verrät. Denn die Tiere konnten die Signaturpfiffe naher Verwandter auch dann erkennen, wenn diese von einer Computerstimme wiedergegeben wurden, der jede persönliche Klangfarbe fehlte. Für die Meeresbewohner sei dies auch besonders wichtig, da sich ihre Stimmen mit steigendem Wasserdruck in der Tiefe veränderten, vermutet Janik, der seine Versuche an wildlebenden Tümmlern in der Sarasota Bay in Florida durchführte, die seit 1975 immer wieder kurzzeitig für Versuche gefangen werden.

          Meisterleistung unter Säugetieren: Delphine unterscheiden Ich und Du
          Meisterleistung unter Säugetieren: Delphine unterscheiden Ich und Du : Bild: AP

          Normalerweise dienen die Signaturpfiffe dazu, den Gruppenmitgliedern die eigene Position auch in trübem Wasser oder auf größere Distanz mitzuteilen, ähnlich wie es ein Trupp von Pfadfindern machen würde, die im dichten Wald ihren Namen rufen, um sich nicht zu verlieren. Doch neben dieser „Ich Tarzan“-Funktion erlernen die Tiere auch die Namen nahestehender Artgenossen. „Am deutlichsten kann man dies beobachten, wenn eine Mutter von ihrem Kalb getrennt wird“, sagt Janik. „Dann pfeift sie den Namen ihres Kindes, welches diesen als Antwort wiederholt.“

          Wer nicht imitieren kann ...

          Dieser Schritt vom Ich zum Du ist für Säugetiere alles andere als selbstverständlich. Denn den meisten fehlt es an der Fähigkeit zur vokalen Imitation, also der stimmlichen Wiedergabe gehörter Laute. Ohne sie ist aber die Benutzung von Namen oder jeder Art von gesprochenen Worten kaum vorstellbar. Vermutlich deshalb scheiterten bisher alle Versuche, Schimpansen menschliche Wörter zu entlocken, obwohl die Menschenaffen durchaus zu symbolischem Denken fähig sind. Daß Delphine dagegen menschliche Sprachlaute erzeugen können, zeigte der Esoteriker John Cunningham Lilly, der einem Großen Tümmler immerhin Wörter beibrachte, die entfernt wie „Hello Margret“ klingen. Lillys Versuche, darauf eine umfassende Kommunikation zwischen Mensch und Delphin zu begründen, scheiterten jedoch.

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