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Tier-Kommunikation : Ich Flipper, du Jane!

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Neben Walen und Menschen war vokale Imitation unter Säugern bisher nur noch von Robben und Fledermäusen bekannt. Von einem Neuzugang im Club der Stimmenimitierer berichteten Wissenschaftler vor gut einem Jahr im Wissenschaftsmagazin Nature: Ein afrikanischer Elefant hatte in einem Wildpark in Kenia gelernt, das Geräusch vorbeifahrender Lastwagen nachzuahmen. Und Calimero, ein Artgenosse im Zoo von Basel, beherrscht die typischen Lautäußerungen zweier indischer Elefanten, mit denen er seit 19 Jahren das Gehege teilt.

Aussehen und Geruchssinn hilfreich

Doch wie erklärt sich das verstreute Auftreten dieser Fähigkeit im Tierreich, die sich offenbar etliche Male unabhängig voneinander entwickelt hat? Offenbar passiert das vor allem bei Tierarten, die in sogenannten Fission-and-Fusion-Gesellschaften leben, in denen sich innerhalb einer größeren Population soziale Kleingruppen mit wechselnden Mitgliedern bilden. „In Sarasota Bay etwa leben insgesamt an die hundert Delphine, die sich meist in Grüppchen von zwei, drei verwandten Tieren zusammenschließen“, sagt Vincent Janik. „Diese Kleingruppen finden sich aber auch zeitweise in wechselnden Kombinationen zu größeren Gruppen zusammen.“ Bei diesem Durcheinander sei es für die Tiere wichtig, Artgenossen individuell auseinanderhalten zu können.

Individuelle Erkennung ist allerdings nicht unbedingt auf akustische Signale angewiesen. Viele Tiere benutzen dazu den Geruchssinn. Auch das Aussehen ist häufig von Bedeutung. Doch gerade auf größere Distanz oder bei schlechter Sicht bewährt sich der Kontakt über Laute. Den nutzen auch die monogam lebenden Gibbons, um im Dschungel Südostasiens den Partner nicht zu verlieren. „Die Gesänge dieser Menschenaffen sind aber, soweit man weiß, angeboren und stets gleich. Da Gibbons kaum Kontakt zu Artgenossen außerhalb der Kleinfamilie haben, brauchen sie wohl auch keine individuellen Erkennungssignale“, sagt der Hamburger Verhaltensbiologe Ralf Wanker. Ganz anders sieht das bei seinen Studienobjekten aus, den südamerikanischen Augenring-Sperlingspapageien. Sie leben ebenfalls in strenger Einehe. Tagsüber bilden die Tiere jedoch Gruppen von zehn bis dreißig Individuen, nachts versammeln sie sich in größerer Zahl auf ihren Schlafbäumen. Um den Partner im dichten Urwald wiederzufinden, bedarf es also eines zuverlässigen, individuellen Erkennungssystems.

Papageien: Ein Tier mit mehreren Namen?

„Papageien sind tatsächlich die einzigen Tiere neben Delphinen und Menschen, von denen individuelle Namensrufe wissenschaftlich belegt sind“, sagt Wanker, der seine Forschungsergebnisse im vergangenen Jahr in der Zeitschrift Animal Behaviour veröffentlichte. Anders als bei den Delphinen scheinen die Papageinamen von den Eltern vergeben zu werden und finden offenbar nur innerhalb der engsten Familie Anwendung. „Möglicherweise hat ein Tier auch mehrere Namen, die jeweils nur von einem anderen Familienmitglied benutzt werden“, sagt Wanker, der sich von dem aufkommenden Boom der aviären Kognitionsforschung Antworten auf viele offene Fragen wie diese erhofft.

Wenig überraschend wäre es, wenn man dabei auch bei anderen Vogelarten Signaturpfiffe fände. Denn Singvögel sind Meister der vokalen Imitation im Tierreich, wie die Klänge von Handys, Martinshörnern oder aktuellen Musikhits aus den Kehlen gefiederter Stadtbewohner beweisen.

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