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Thunfischfang : Groß wird von denen kaum einer mehr

  • -Aktualisiert am

Thunfische im Netz Bild: AFP

Thunfisch ja, aber bitte ohne Delphin! Diesen Wunsch haben neue Fangmethoden fast vollständig erfüllt. Doch jetzt gibt es neuen Beifang, und der ist viel problematischer: Viel zu viele junge Thunfische und auch Schildkröten landen in den Netzen.

          7 Min.

          Kräftige Männer wuchten gewaltige Fischleiber mit Glupschaugen über eine Rutsche von Bord der „Sari Segama 02“. Die meisten der blau-silbern schimmernden, eisgekühlten Körper sind um die 50 Kilogramm schwer, einige bringen über 100 Kilo auf die Waage. „Es ist gute Saison für Großaugenthunfische“, sagt Kisyono zufrieden. Er ist Kapitän der Sari Segama 02 und benutzt trotz dieses Status wie viele Javaner nur einen Namen.

          Doch seine Fischzüge werden schwieriger. „Wir müssen immer weiter hinausfahren“, sagt Kisyono, dessen Boot vom Hafen in Benoa aus mit 1.700 Stahlhaken an 100 Kilometer langen Leinen den begehrten Sushi-Fischen nachstellt. Und die zehnköpfige Crew muss immer länger draußen bleiben: Kehrten die Seeleute früher nach etwa 20 Tagen heim, bleiben sie heute nicht selten bis zu zwei Monate auf See, bis die Laderäume gefüllt sind. Kisyonos Männern, die im Akkord Thunfische aus dem gekühlten Schiffsrumpf stemmen, steht nach 58 Tagen Fahrt die Müdigkeit im Gesicht geschrieben.

          Sie werden immer leichter und pflanzen sich seltener fort

          Mit 100 Haken ließen sich früher im Schnitt 2,1 Thunfische fangen, wie die balinesische Thunfischvereinigung angibt. Heute müssen dafür fünfmal mehr Haken an die Langleinen gehängt werden. Gleichzeitig ist das Durchschnittsgewicht der Fische von 34 auf 26 Kilo gesunken.

          Gefrorener Thunfisch nach einer Auktion am Tsukiji Fischmarkt in Tokio
          Gefrorener Thunfisch nach einer Auktion am Tsukiji Fischmarkt in Tokio : Bild: AP

          Und nicht nur in den Gewässern vor Bali schwimmt die majestätische Makrelenverwandtschaft einer düsteren Zukunft entgegen: Der Weltkonsum von sechs Millionen Tonnen pro Jahr dezimiert im West- und Zentralpazifik und im Atlantik die wertvollen Großaugen- und Gelbflossenthunfische (Thunnus obesus und Thunnus albacares).

          Im Mittelmeer steht die Population des Blauflossenthuns (Thunnus thynnus), auch Roter oder Atlantischer Thunfisch genannt, vor dem Zusammenbruch, keines dieser Tiere erreicht die kolossalen 900 Kilogramm von einst. Wurde im Jahr 2001 noch ein Durchschnittsgewicht von 124 Kilo gemessen, liegt es heute bei 65. Und mit dem Gewicht ist auch die Fortpflanzungsfähigkeit zurückgegangen.

          Die Thunfische werden zu früh gefangen

          Deshalb plädieren Umweltorganisationen wie Greenpeace unter anderem für einen Fangstopp im Mittelmeer insbesondere zur Laichzeit, während die Internationale Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) die Fangquote für 2009 nur auf 22.000 Tonnen limitiert - trotz ihrer Befürchtung, dass von dieser Art rund 20.000 Tonnen heimlich aus dem Meer gezogen werden. „Die Überfischung ist krass, aber schlecht dokumentiert“, sagt Daniel Pauly, Leiter des Fischereizentrums der Universität von British Columbia in Kanada.

          Dabei schaden den Beständen ausgerechnet jene Methoden am meisten, die ein anderes Problem lösen sollten: Früher halfen Delphine den Fischern dabei, Thunfischschwärme aufzuspüren, da sie zusammen mit diesen jagten. Die Boote umkreisten die Delphinschulen mit riesigen Ringwadennetzen und schöpften alles ab, was hängenblieb. Dadurch verendeten jedes Jahr Hunderttausende der Meeressäuger. Die Methode ist seit den achtziger Jahren weitgehend geächtet, der Beifang von Delphinen ging um über 98 Prozent zurück.

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