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Taxonomie : Aufräumen unter Meeresorganismen

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Bathycyroe fosteri, etwa fünf Zentimeter groß und verbreitet in der Nähe des Mittelatlantischen Rückens Bild: Census of Marine Life/www.coml.org/Marsh Youngbluth

Die Liste der im Meer lebenden Arten wächst jedes Jahr um ungefähr 14 000 Einträge. Nicht selten scheint ein und dieselbe Art allerdings unter mehreren wissenschaftlichen Namen auf. Eine internationale Gruppe von Taxonomen sorgt nun für Ordnung.

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          In den Meeren werden ständig neue Arten von Lebewesen entdeckt. Insbesondere seit dem Beginn einer umfassenden "Volkszählung" im Jahr 2000, dem Census of Marine Life, an der sich Forscher aus 80 Nationen beteiligen, ist ein starker Zuwachs zu verzeichnen. Jedes Jahr wird die Liste der bekannten Arten um schätzungsweise 1400 Spezies erweitert.

          Nicht alles, was sich dort über Forschergenerationen hinweg angesammelt hat, ist allerdings wissenschaftlich hieb- und stichfest. Dass ein und dieselbe Art unter verschiedenen Bezeichnungen auftaucht, darf fast als Regel gelten. Eine internationale Gruppe von Taxonomen - auf die Beschreibung und systematische Einordnung von Organismen spezialisierter Biologen - hat daher mit dem Entrümpeln begonnen.

          Durchforsten der wissenschaftlichen Literatur

          Auf einer Tagung in Oostende (Belgien) sind dieser Tage die ersten Ergebnisse des als "Worms" (World Register of Marine Species) bezeichneten Vorhabens präsentiert worden. Demnach führte das Durchforsten der wissenschaftlichen Literatur zu einem dramatischen "Artenschwund": Von insgesamt 178 955 näher begutachteten Spezies behielten nur 122 559 ihren Platz auf der Liste. Fast ein Drittel wurde demnach ausgemustert. Der Grund dafür war ein zum Teil fast kurioser Namenswirrwarr.

          Eine neu entdeckte Variante des Skorpionfischs, Scorpaenopsis Vittapinna, entdeckt im Indopazifischen Raum.

          Als extremes Beispiel führen die Forscher den Brotkrumenschwamm an. Diese weitverbreitete, auch in der Nord- und Ostsee vorkommende Art war unter sage und schreibe 56 wissenschaftlichen Namen verzeichnet. Nach den Regeln der Taxonomie heißt der schon im Jahr 1766 erstmals beschriebene, recht vielgestaltige Schwamm Halichondria panicea.

          Sogar der Vater der biologischen Namensgebung, Carl von Linné, war nicht unfehlbar. Er hat eine Walart gleich mit vier Namen bedacht. Auch in diesem Fall will man jetzt für Klarheit sorgen. Die Forscher hoffen, bis Herbst 2010 alle der rund 230 000 wissenschaftlich erfassten Meeresspezies überprüft zu haben. Schätzungen zufolge harren aber noch Hunderttausende weitere Arten ihrer Entdeckung.

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