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Tauben : Was heißt hier Hitzewelle?

  • -Aktualisiert am

Mit vielen verschiedenen Techniken schaffen es Tauben in der Wüste bei hohen Temperaturen zu überleben. Bild: dpa

Tauben sind für Wüstentemperaturen erstaunlich gut gerüstet. Dabei wenden sie ähnliche Taktiken an wie Hunde.

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          Vögel sind von Natur aus heißblütig, mit Körpertemperaturen um die 40 Grad Celsius. Doch in Wüstengebieten kann es noch viel heißer werden, in der Sonora-Wüste zum Beispiel steigt die Lufttemperatur auf bis zu 49 Grad. Für so ein Wüstenklima sind Weißflügel- und Carolinatauben offenbar ausgezeichnet gerüstet. Dass sie bei Lufttemperaturen von bis 60 Grad noch „cool“ bleiben können, haben Wissenschaftler um Eric Smith von der University of New Mexico in Albuquerque herausgefunden.

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          Als Forschungsobjekte dienten den Biologen drei gefiederte Bewohner der Sonora-Wüste: die Weißflügeltaube (Zenaida asiatica), die etwas kleinere Carolinataube (Zenaida macroura) und die Helmwachtel (Callipepla gambelii). Die Vögel wurden von den Forschern in Fallen gelockt und dann zeitweilig einzeln in einer kleinen Kammer einquartiert. Dort ließ sich die Lufttemperatur von behaglichen dreißig Grad auf mehr als sechzig Grad erhöhen. Gleichzeitig wurde gemessen, wie viel Stoffwechselenergie jeder Proband verbrauchte und wie viel Wasser er verlor.

          Wenn Überhitzung droht, beginnen gewöhnlich auch Vögel ähnlich wie Hunde zu hecheln. Mit geöffnetem Schnabel verschaffen sie sich Kühlung. Hierzulande kann man das gut bei Krähen beobachten. Ihr schwarzes Gefieder lässt sie anscheinend besonders unter sommerlichen Hitzewellen leiden. Die Helmwachteln aus der Sonora-Wüste, wie die dort heimischen Tauben im hellen, tarnfarbigen Wüstenlook, begannen bei Lufttemperaturen von mehr als 41 Grad zunehmend heftiger zu hecheln. Bei 52 Grad Celsius wurden sie unruhig und versuchten der unerträglich gewordenen Hitze zu entkommen. Die Tauben blieben hingegen bei bis zu 58 Grad noch ruhig in der Kammer sitzen, einige ertrugen sogar 60 Grad völlig ungerührt.

          Doch warum sind Weißflügel- und Carolinatauben so hart im Nehmen? Wie die Wachteln nutzen sie bei großer Hitze die Verdunstungskälte von Wasser, um ihre Körpertemperatur auf einem erträglichen Niveau zu halten. Einen Großteil des Wassers lassen sie jedoch passiv über ihre Haut verdunsten. Das ist energiesparender, als mit Muskelkraft zu hecheln. Deshalb können sich die Tauben wohl noch unbekümmert unter freiem Himmel tummeln, während die Wachteln bereits Schutz im Schatten suchen müssen („Journal of Experimental Biology“, doi: 10.1242/jeb.128645). Dieser Vorteil hat allerdings seinen Preis: Um sich abzukühlen, verlieren die so erstaunlich hitzeresistenten Tauben bis zu 45 Prozent mehr Wasser als die Wachteln bei gleich hoher Lufttemperatur. Sollte die Wüste noch trockener werden, würden die Tauben wohl den Kürzeren ziehen. Ob sich ihre Methode der Abkühlung bewährt, wenn das Klima künftig wärmer wird, bleibt eine offene Frage.

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