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Süßwasserpolypen : Ein leuchtender Jungbrunnen

  • -Aktualisiert am

Polypen mit fluoreszierendem Nervensystem, rund einen Zentimeter groß. Bild: Brigitte Galliot

Süßwasserpolypen besitzen ungewöhnliche Eigenschaften. Sie können sich nach Verstümmelungen innerhalb einiger Tage von Grund auf erneuern. Sie überleben selbst dann, wenn alle Nervenzellen verlorengegangen sind.

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          So unscheinbar Süßwasserpolypen in der Natur sind - für Biologen gehören sie zu den faszinierendsten Lebewesen. Das liegt an ihrer phänomenalen Fähigkeit zur Regeneration. Schon Antoni van Leeuwenhoek (1632 bis 1723), Pionier der Mikroskopie, war auf die filigranen, durchsichtigen Organismen aufmerksam geworden. Näher untersucht hat sie dann im 18. Jahrhundert der Schweizer Naturforscher Abraham Trembley.

          Verblüfft stellte er fest, dass sich diese Organismen nach schwerer Verstümmelung vollständig erholten und jedes abgetrennte Teilstück wieder zu einem kompletten Wesen heranwuchs. Längst zählen die wenige Zentimeter großen Süßwasserpolypen der Gattung Hydra zu den wichtigsten Untersuchungsobjekten in der Entwicklungsbiologie. Stammzellen sorgen, indem sie sich differenzieren, für ständigen Nachschub an Körperzellen. Dadurch erneuert sich die Hydra innerhalb einiger Tage von Grund auf. Sie überlebt sogar dann, wenn alle Nervenzellen verlorengegangen sind.

          Der Trick mit den Hautzellen

          Diesem Phänomen haben nun Forscher um Brigitte Galliot von der Universität Genf nachgespürt. Hydra verfügt über ein zwar einfaches, aber funktionales Netz aus Nervenzellen. Dieses ermöglicht den Tieren eine Reaktion auf Umwelteinflüsse wie Temperatur, Licht, Berührung und chemische Reize. Fehlen die für die Bildung von Nervenzellen zuständigen Stammzellen, springen Hautzellen für sie ein, wie die Genfer Biologen herausfanden. Eigentlich besitzen Hautzellen nicht die entsprechende Fähigkeit. Fehlt aber das Nervenkostüm, werden in ihnen 25 Gene stärker aktiviert. Einige dieser Erbanlagen sind an grundlegenden neuronalen Funktionen wie Neurogenese und Neurotransmission beteiligt.

          Als Folge der Aktivierung werden die Hautzellen für Umwelteinflüsse sensibilisiert und befähigt, auf sie zu reagieren. Bei den potentiell unsterblichen Polypen hoffen die Forscher, wie sie in den „Philosophical Transactions of the Royal Society“ berichten, auf biologische Gesetzmäßigkeiten zu stoßen, die bei der Behandlung neurodegenerativer Leiden des Menschen genutzt werden können.

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