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Studie an Dino-Eiern : Wie Dinosaurier ihre Körpertemperatur regelten

  • -Aktualisiert am

Raptor bei der Brutpflege Bild: Doyle Trankina and Gerald Grellet-Tinner

Waren die Urtiere Warmblüter wie wir Menschen oder Vögel? Oder zählten sie zu den wechselwarmen Wesen wie die Krokodile oder heutigen Reptilien? Eine neue Studie versucht eine Antwort.

          2 Min.

          Dinosaurier sind faszinierende Wesen, die auch  die Populärkultur bevölkern. Das hat zuletzt der Erfolg von „Jurassic World“ bewiesen. Im Film wurden die Saurier als hochintelligente und schnelle Jäger dargestellt. Doch wie sie in Wirklichkeit waren, darüber streiten sich Wissenschaftler seit 150 Jahren. Waren sie Warmblüter oder zeigten sie eher die Aktivitäten von heutigen Krokodilen und Alligatoren, indem sie ihre Körpertemperatur mithilfe der Sonne regelten? Eine Analyse von uralten Eierschalen gibt jetzt Antworten.

          Krokodile sind stumpf betrachtet faule Tiere. Sie liegen den ganzen Tag in der Sonne, und ab und zu reißen sie mal ein Gnu beim durchqueren des Flusses. Mit Faulheit hat das jedoch nichts zu tun, sondern damit, dass die Tiere wie fast alle Reptilien und Amphibien wechselwarm (ektotherm) sind. Das bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur durch die Umgebungstemperatur regeln und dadurch einen enorm langsamen Stoffwechsel haben. Deswegen absorbieren Krokodile, Alligatoren und Eidechsen die Wärme der Sonne um in Fahrt zu kommen.

          Das hat man bislang auch von Dinosauriern angenommen. Genau wussten es die Wissenschaftler aber bis zuletzt nicht. Eine in der Zeitschrift „Nature Communications“ erschienene Studie, an der auch Forscher von der Universität Mainz beteiligt waren, hat herausgefunden, dass einige Dinosaurier ihre Körperwärme von innen her beeinflussen konnten. Die Wissenschaftler um Robert A. Eagle von der University of California in Los Angeles sind zu diesem Schluss gekommen, als sie die Eierschalen von zwei verschiedenen Dinosaurierarten analysierten.

          Fossile Dino-Eier: Anhand der Schale wurde die Körpertemperatur von Sauriern ermittelt.

          Unter den Untersuchungsobjekten waren etwa  80 Millionen Jahre alte Eier von einem  kürzlich entdeckten Titanosaurus - ein gigantisches Tier, das der Gruppe der langhalsigen, pflanzenfressenden Sauropoden angehörte. In der Analyse nutzten die Wissenschaftler eine Methode, mit der man aus der chemischen Zusammensetzung der Eierschale auf die Temperatur bei der Entstehung des Eis schließen kann. Daraus konnten die Forscher um Eagle Rückschlüsse auf die Körpertemperatur des Muttertiers ziehen. Danach lag die Körperwärme der Sauropoden bei etwa 38 Grad, also ähnlich wie beim Menschen, wo die Temperatur 37 Grad Celsius beträgt.  Der Mensch gehört wie auch die Vögel zu den gleichwarmen (endothermen) Lebewesen, die ihre Körpertemperatur durch den Stoffwechsel regulieren. Aufgrund dessen nehmen die Forscher an, dass viele Saurier ein Zwischenwesen von heutigen Krokodilen und Vögeln bildeten. Dies würde vor allem auf die zweite untersuchte Art, die Ovitaptoren zutreffen, sagt Thomas Tütken vom Institut für Geowissenschaften der Universität Mainz. Messungen an etwa 71 Millionen Jahren alten Eierschalen haben ergeben, dass die Körpertemperatur dieser Tiere etwa 32 Grad betrug. Oviraptoren waren relativ kleine, zweibeinige Saurier, die am besten mit heutigen Straußenvögeln oder gar Truthühnern zu vergleichen sind.

          Um die Zuverlässigkeit ihrer Messmethode zu überprüfen, haben die Wissenschaftler Eierschalen von 13 verschiedenen lebenden Vogelarten gemessen und die Ergebnisse mit der tatsächlichen Temperatur der Tiere verglichen. Bei dem Verfahren wird festgestellt, wie häufig die Isotope Kohlenstoff-13 und Sauerstoff-18 in der Schale auftreten. Je nach Körperwärme variierte die Menge der untersuchten Verbindungen, berichten die Forscher in ihrer Studie. „Die beiden Isotope sind sozusagen unser Quecksilber im Thermometer“, sagt Tütken. Allerdings sei es  weiterhin unklar, wie sich die Evolution auf den Stoffwechsel der Saurier ausgewirkt habe. Erstmals wurde mit den genannten Isotopen im Jahre 2011 gearbeitet, die man in fossilen Zähnen fand. Das neue Verfahren wird also noch weitere Aufschlüsse in der Evolution dieser faszinierenden Tiere bringen.

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