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Siebenschläfer : Sex nur in fetten Jahren

  • -Aktualisiert am

Mit Bucheckern viel einfacher Bild: dpa

Siebenschläfer zeichnen sich nicht nur dadurch aus, daß sie ausgiebig Winterschlaf halten. Auch bei der Fortpflanzung lassen sich die Nagetiere viel Zeit.

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          Siebenschläfer zeichnen sich nicht nur dadurch aus, daß sie ausgiebig Winterschlaf halten. Auch bei der Fortpflanzung lassen sich die Nagetiere viel Zeit. Die Weibchen bringen nur dann Nachwuchs zur Welt, wenn den Sprößlingen eine üppige Verpflegung winkt. Notfalls warten sie sogar mehrere Jahre auf eine solche Gelegenheit. Das haben nun Wissenschaftler um Andrea Pilastro von der Universität Padua herausgefunden. In einem Buchenwald am Südrand der Alpen hatten sie hölzerne Nistkästen aufgehängt, die den Siebenschläfern eine behagliche Unterkunft boten und einen Einblick in ihr Familienleben erlaubten.

          Wie die Forscher in der Zeitschrift "Ecology" (Bd. 84, S. 1784) berichten, fanden sie in fünf von acht Beobachtungsjahren keine einzige Kinderstube. Und nicht nur in dem 60 Hektar großen Untersuchungsgebiet, auch ringsum blieben die Siebenschläfer offenbar ohne Nachkommen. Nachwuchs gab es nur in den drei Jahren, in denen die Buchen reichlich Bucheckern trugen. Buchen zählen zu jenen Baumarten, die in sogenannten Mastjahren verschwenderisch fruchten, in anderen dagegen so gut wie gar keine Samen ausbilden. Gewöhnlich folgen auf ein fettes Jahr zwei magere. Doch mitunter dauern die schlechten Zeiten auch länger, oder es folgen zwei Mastjahre unmittelbar hintereinander.

          Wie im Schlaraffenland

          Während einer Buchenmast leben die Siebenschläfer wie im Schlaraffenland. Selbst die Jungen, meist im August geboren, können sich binnen weniger Wochen üppige Fettpolster für ihren siebenmonatigen Winterschlaf anfuttern. Ohne solch nahrhafte Kost hätten sie kaum eine Chance, ein Körpergewicht von mehr als hundert Gramm zu erreichen, das sie benötigen, die ausgedehnte Fastenzeit zu überstehen. Somit erscheint es sinnvoll, in mageren Jahren von vornherein auf Nachkommenschaft zu verzichten. Im Juli, wenn sich die Siebenschläfer entscheiden müssen, ob sie in Nachwuchs investieren sollen, sind die Bucheckern freilich noch lange nicht reif. Wie die Tiere abschätzen, ob der Fruchtansatz vielversprechend ist, bleibt bislang ein Rätsel.

          An die Mastjahre gebunden, haben die Siebenschläfer im Buchenwald eine erstaunlich niedrige Geburtenrate. Im Sshnitt bringt ein Tier innerhalb von drei Jahren nur einmal bis sechs Junge zur Welt. Gewöhnlich produzieren Nagetiere ihrer Gewichtsklasse mehrere Würfe pro Jahr und nicht selten mehr als zwei Dutzend Junge. Mit durchschnittlich knapp zwei Jungen pro Jahr liegen die Siebenschläfer eher in der Größenordnung von Rehen und anderen kleinen Huftieren. Dasselbe gilt für ihre Lebenserwartung. Während Ratten und Mäuse im Durchschnitt kaum ein Jahr alt werden, haben ausgewachsene Siebenschläfer eine mittlere Lebenserwartung von etwa neun Jahren. Damit können sich diese kleinen Pflanzenfresser eine Fortpflanzungsrate wie die Großen leisten und gegebenenfalls auch mal eine längere Pause einlegen.

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