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Gewitter : Haben wir einen Blitzableiter?

  • -Aktualisiert am

So ein Unwetter kann den Sonntagnachmittag erst richtig behaglich machen – vorausgesetzt, die Blitzschutztechnik stimmt. Bild: dpa

Bei Gewitter geht man besser rein. Doch wenn es richtig rumst und kracht, wird es einem auch da unheimlich. Und es stellen sich ein paar Fragen.

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          Einige Millionen Gewitterblitze registrieren meteorologische Messstationen jährlich über Deutschland, die Mehrheit davon in den Sommermonaten Juli und August. Zehn Prozent der Blitze schlagen dabei in den Boden ein, in Bäume und auch in Gebäude.

          Diese haben daher oft Blitzableiter, um sie im Fall eines Einschlags vor einem Brand zu bewahren. Die Ableiter sind dabei nur der äußere Teil einer Blitzschutzanlage. Der innere Blitzschutz erdet die gesamten metallischen Leitungen, also Strom, Gas, Wasser und Heizung. Damit besteht insbesondere ein Schutz vor sogenannten Überspannungsschäden, da elektronische Geräte im Haus auch bei einem Blitzeinschlag in ein benachbartes Haus oder eine naheliegende Wasser- oder Stromleitung zerstört werden können.

          Muss jedes Haus mit einem Blitzableiter ausgestattet sein?

          Ob an einem Gebäude eine Blitzschutzanlage installiert werden soll, regeln die jeweiligen Landesbauordnungen, wobei es bei diesem Punkt zwischen den Bundesländern praktisch keine Unterschiede gibt. Demnach sind lediglich „Bauliche Anlagen, bei denen nach Lage, Bauart oder Nutzung Blitzschlag leicht eintreten oder zu schweren Folgen führen kann, mit dauernd wirksamen Blitzschutzanlagen zu versehen.“ Das sind zum Beispiel Gebäude mit Personen, die sich im Brandfall kaum oder gar nicht selbständig retten können, sagt Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Kindergärten und Krankenhäuser müssen daher immer einen Blitzableiter haben, aber auch Industrieanlagen, Behörden und öffentliche historische Gebäude. Zu schützen sind außerdem Hochhäuser in exponierter Lage, da Blitze in der Regel den kürzesten Weg für einen Einschlag nehmen, ebenso Gebäude, die allein stehen und deswegen schlecht geschützt sind. Für Wohnhäuser gibt es grundsätzlich keine Verpflichtung, eine Blitzschutzanlage zu installieren. Es ist Sache des Eigentümers, wird aber empfohlen.

          Wie nah ist ein Gewitter, und innerhalb welcher Entfernung besteht die Gefahr eines Blitzeinschlags in mein Haus?

          Schall breitet sich in der Luft viel langsamer aus als Licht, daher hört man den Donnerschlag meist nach dem zugehörigen Blitz. Die Faustregel, um die Entfernung eines Gewitters abzuschätzen, lautet: Zeit in Sekunden zwischen Blitz und Donner, geteilt durch drei, ergibt die Entfernung des Gewitters in Kilometern. „Blitze können eine horizontale Strecke von bis zu zehn Kilometern zurücklegen, bevor sie in ein Haus einschlagen“, sagt Thomas Raphael. Einschlagsgefahr besteht also, wenn der Donner innerhalb von 30 Sekunden oder weniger auf den Blitz folgt. Geht der Blitz in einem Umkreis von weniger als 300 Metern nieder, kann es über unterirdische Leitungsverbindungen auch innerhalb des Hauses zu Überspannungsschäden an elektronischen Geräten kommen. Sind diese Geräte an mehrere Leitungen angeschlossen wie beispielsweise der Computer an das Stromnetz und das Internet, treten in Städten Schäden in bis zu 1,5 Kilometern Entfernung zum Einschlagsort auf. Befindet sich das Gebäude in einer ländlichen und vor Blitzen weniger geschützten Region, kann sich der riskante Radius bis auf drei Kilometer erhöhen.

          Wie messen die Wetterdienste die Positionen der Blitze?

          Außer sichtbarem Licht strahlt ein Blitz auch elektromagnetische Strahlung anderer Frequenzen ab, darunter solche, die von Antennen registriert werden. Mit mehreren Antennen an verschiedenen Standorten, lässt sich aus den Zeitverzögerungen zwischen den Signalen der einzelnen Antennen ein Blitz auf hundert Meter genau lokalisieren.

          Wie oft kommt es vor, dass Blitze in Wohn- oder Geschäftsgebäude einschlagen?

          Fast eine halbe Million Blitz- und Überspannungsschäden meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Jahr 2012. Davon wurden Schäden von mehr als 300 Millionen Euro von den Versicherungen ersetzt. Dabei übernimmt die Wohngebäudeversicherung in der Regel direkte Schäden am Haus, also am Dach, Mauerwerk oder der Heizung. Bei Überspannungsschäden an elektronischen Geräten wie Telefon, Computer oder Fernsehen greift die Hausratsversicherung, wobei dafür zum Teil Zusatzvereinbarungen mit der Versicherung getroffen werden müssen.* 

          Ob man nur versichert ist, wenn dieser alle elektronischen Geräte ausgeschaltet hat, ist je nach Police unterschiedlich festgelegt. In der ersten Hälfte dieses Jahres gab es nach Angaben des Statistik-Portals Statista die meisten Blitzeinschläge in Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen und Bayern. Am seltensten schlug der Blitz in Schleswig-Holstein ein, gefolgt von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Der Grund dafür sind vermutlich die etwas wärmeren Temperaturen im Süden Deutschlands.

          Ist es gefährlich, während eines Gewitters zu telefonieren?

          Es ist grundsätzlich ungefährlich, bei Gewitter mit einem schnurlosen Telefon oder einem Handy zu telefonieren. Die Nutzung von Kabeltelefonen ist nur dann gefahrlos, wenn ein sogenanntes Überspannungsschutzgerät eingebaut ist, sonst besteht die Gefahr eines Stromschlags vom Telefonhörer zum Ohr. Obwohl heutzutage die meisten Telefonleitungen unterirdisch verlaufen, besteht dennoch die Gefahr, dass ein Blitz in den Boden einschlägt, die elektrische Energie auf ein Telefonkabel überspringt und für eine Überspannung sorgt, die Endgeräte wie Telefone oder DSL-Splitter zerstört, die in dieser Hinsicht besonders anfällig sind.

          Was sollte man außerdem während eines Gewitters innerhalb eines Gebäudes vermeiden?

          Es ist empfehlenswert, Fenster zu schließen, da Blitze im Prinzip auch durch ein offenes Fenster ins Gebäudeinnere einschlagen können, selbst wenn das selten passiert. In Wohnhäusern ohne Blitzschutz sollten während eines Gewitters alle elektronischen Geräte möglichst ausgeschaltet bleiben. Idealerweise trennt man sie ganz vom Stromnetz, um gegen Überspannungsschäden gewappnet zu sein. In modernen Häusern sind elektrische Leitungen in der Regel miteinander verbunden und an einen sogenannten Potentialausgleich angeschlossen, der geerdet ist. In solchen Wohnungen ist Duschen, Spülen oder jede andere Berührung mit fließendem Wasser gefahrlos möglich. In Altbauten sollte man das besser bis nach dem Gewitter verschieben.

          Woran merkt man, wenn ein Blitz in die Blitzschutzanlage des Hauses einschlägt?

          Idealerweise gar nicht. Ein Blitzschutzsystem ist dafür ausgelegt, viele Einschläge auszuhalten, ohne Schaden zu nehmen. Ob das System aktiv geworden und tatsächlich einen Blitz eingefangen hat, können nur Blitzschutzfachleute bei einer Wartung feststellen.

          Gibt es neue technische Entwicklungen im Blitzschutz?

          Die größten Fortschritte hat es im Bereich der Geräte für den Überspannungsschutz gegeben. „Heute gibt es eine Vielzahl von kleinen, aber leistungsfähigen Geräten auch für neue Stromanwendungen wie Photovoltaik“, sagt Blitzschutzexperte Thomas Raphael. Auf dem Gebiet der Blitzschutzleitungen seien sogenannte isolierte Ableitungen entwickelt worden, die dort zum Einsatz kommen, wo sich Personen durch Berühren der Blitzschutzleitungen gefährden könnten wie zum Beispiel im Eingangsbereich von Kaufhäusern.

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