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Schädlinge : Länger leben dank Eiweißkost

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Schmetterlinge werden meist stärker von Infektionskrankheiten dezimiert als von hungrigen Vögeln und anderen Freßfeinden. Ob sie den Angriff der Krankheitserreger erfolgreich abwehren können, hängt nicht zuletzt von ihrer Ernährung ab.

          Schmetterlinge werden meist stärker von Infektionskrankheiten dezimiert als von hungrigen Vögeln und anderen Freßfeinden. Ob sie den Angriff der Krankheitserreger erfolgreich abwehren können, hängt nicht zuletzt von ihrer Ernährung ab. Wenn Raupen mit Viren infiziert sind, kann der Zugang zu eiweißreicher Kost die Überlebenschancen beträchtlich erhöhen. Das haben Wissenschaftler um Kwang Pum Lee von der University of Oxford bei der Baumwolleule (Spodoptera littoralis) beobachtet. Dieser wämeliebende Nachtfalter der Eulenfamilie tummelt sich in Afrika und im Mittelmeergebiet. Keineswegs wählerisch, sind seine dicken grünlichbraunen Raupen nicht bloß auf Baumwollplantagen eine gefürchtete Plage. An einer Vielzahl anderer Kulturpflanzen vergreifen sie sich ebenso gerne - in Gewächshäusern mitunter auch hierzulande.

          Resistent gegen Pestizide

          Mancherorts sind diese Schädlinge gegen gängige Pestizide bereits resistent geworden. Nucleopolyeder-Viren erweisen sich allerdings nach wie vor als tödlich. Zwar versuchen sich die Raupen gegen diese Krankheitserreger zu wehren, indem sie zum Beispiel befallene Zellen einkapseln und infiziertes Darmgewebe abstreifen. Dennoch gehen die meisten binnen einer Woche zugrunde, gewöhnlich nicht ohne mit ihren Ausscheidungen weitere Tiere angesteckt zu haben. Damit keine mißlichen Kontakte entstanden, wurden die Versuchstiere einzeln in kleinen Behältnissen einquartiert und dort mit speziell zusammengestellter Nahrung versorgt. Wenn diese künstliche Kost nur wenig Protein enthielt, gingen nach einer Infektion mit Nucleopolyeder-Viren rund achtzig Prozent der Raupen zugrunde. Von den Tieren, denen viel Eiweiß zugebilligt wurde, starben dagegen kaum mehr als zwanzig Prozent ("Proceedings of the Royal Society", Teil B, Bd. 273, S. 823).

          Raupen, die eine eiweißreiche Verpflegung erhielten, wuchsen zudem deutlich schneller heran als solche, die mit Baumaterial für neues Körpergewebe knappgehalten wurden. Tiere, die unter einer Virusinfektion leiden, entwickeln sich allerdings stets langsamer. Bei gleicher Kost sind sie gegenüber gesunden Artgenossen ein bis drei Tage im Rückstand. Statt in Wachstum zu investieren, müssen sie offenbar einen gut Teil ihrer Eiweißration dazu verwenden, die Krankheitserreger in Schach zu halten. Wenn sie die Wahl haben, stürzen sie sich einige Tage nach dem ersten Kontakt mit Viren gezielt auf eiweißreiche Nahrung.

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