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Salamander : Darwin käme glatt ins Grübeln

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Der gefleckte Feuersalamander Salamandra salamandre ist in Mittel- und Osteuropa heimisch. Bild: Geoff Brightling (c) Dorling Kin

Der Feuersalamander ist im deutschen Wald gar nicht so selten, man begegnet ihm allerdings nur bei schlechtem Wetter. Das einst als boshaft verrufene Tier liefert erstaunliche Belege für eine besondere Form der Evolution.

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          Der Sommer ist noch nicht vorbei, aber wenn die Meteorologen Ende August Bilanz ziehen, wird sie für Deutschland wohl ähnlich ausfallen wie schon im Vorjahr: viel zu nass. Was dem Menschen ein Ärgernis ist, ist dem Feuersalamander Anlass zur Freude. Das Amphibium ist weitgehend auf das Leben an Land umgestiegen, doch mit seiner noch sehr durchlässigen Haut muss es sich vor Sonne und Trockenheit hüten. Tagsüber lässt sich der Salamander in seinem natürlichen Lebensraum, den Laubwäldern Mittel- und Südeuropas, lediglich bei Regenwetter blicken. Aus seinem Versteck unter Totholz, in Felsspalten oder verlassenen Mauselöchern kommt Salamandra salamandra sonst nur nachts, um sich auf die Pirsch zu begeben. Kerbtiere, Nacktschnecken und Würmer sind seine bevorzugte Beute.

          Die unterschiedliche Wertschätzung für Regen wird ein Grund sein, warum sich Mensch und Salamander auch in den deutschen Mittelgebirgsregionen, wo der Lurch nach wie vor stark präsent ist, kaum begegnen. Dieser Mangel an eigener Anschauung dürfte zur Legendenbildung beigetragen haben.

          Nacktschnecken und Würmer sind die bevorzugte Beute von diesen schwarz-gelben Tieren.

          So beschreibt Plinius der Ältere in seiner „Naturalis historia“ (um 77 n. Chr. entstanden) zwar zutreffend des Salamanders Faible für Regen. Dann jedoch wird es wunderlich: „Er ist so kalt, dass er wie Eis durch bloße Berührung Feuer auslöscht. Der Schleim, welcher ihm wie Milch aus dem Maule läuft, frisst die Haare am ganzen menschlichen Körper weg; die befeuchtete Stelle verliert die Farbe und wird zum Male. Unter allen giftigen Tieren sind die Salamander die boshaftesten. Andere verletzen nur einzelne Menschen und töten nicht mehrere zugleich, der Salamander hingegen kann ganze Völker vernichten, falls diese sich nicht vorsehen. Wenn er auf einen Baum kriecht, vergiftet er alle Früchte, und wer davon genießt, stirbt vor Frost.“

          Die Legende vom brandhemmenden oder zumindest feuerfesten Schwanzlurch fand sich später in den Bestiarien des Mittelalters wieder. Das waren reichillustrierte Bücher, in denen echte oder vermutete Eigenschaften von Tieren mit der christlichen Heilslehre in Verbindung gebracht wurden. Der feuerfeste Salamander stand hier allegorisch für die durch einen starken Glauben verliehene Unantastbarkeit. Ansonsten galten Salamander aber ganz im Sinne von Plinius meist als gefährliche Giftspritzer und essentielle Zutat für die Zaubertränke von Hexen und Alchemisten.

          Es gibt unzählig viele Legenden über die Salamander

          Noch in Lorenz Okens „Allgemeiner Naturgeschichte für alle Stände“ aus dem Jahr 1836 wird berichtet, dass Kinder nach dem Genuss von Wasser aus einem von Feuersalamandern bewohnten Brunnen binnen Stunden gestorben seien. Und der recht aufgeklärte Alfred Brehm berichtet in seinem „Thierleben“ skeptisch von einem gewissen Dr. Scheffers, der allen Zweiflern an den alten Salamandergeschichten ein mittelmäßiges, dummes und dünnes Gehirn sowie einen mangelnden Umgang mit gelehrten und gereisten Personen unterstelle. Der Imagewandel vollzog sich aber erst im 20. Jahrhundert - mit der Werbefigur Lurchi. Allerdings haben die Märchen vom brunnenvergiftenden Salamander einen wahren Kern. Vertreter der Gattung Salamandra können bei Gefahr ein giftiges Sekret aus Drüsen am Ohr sowie am ganzen Körper absondern und tatsächlich etliche Zentimeter weit spritzen. Der darin enthaltene Wirkstoff, das Alkaloid Samandarin, verursacht auf der menschlichen Haut jedoch allenfalls ein leichtes Brennen.

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