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Rollkur : Stress oder nicht? Forscher schalten sich in die Dressur-Debatte ein

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Bei der „Rollkur“ übt der Reiter Kontrolle aus, indem er den Kopf des Pferdes nah vor die Brust zwingt. Jetzt haben Forscher überprüft, ob die Methode Stress auslöst.

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          Nun ist er gar nicht zu den Olympischen Spielen angetreten, Totilas, der Star der deutschen Dressur-Equipe: Sein Reiter ist kurzfristig erkrankt. Einige Konflikte sind dem Pferdesport hierzulande so vielleicht erspart geblieben: Schon im Vorfeld hatte der Deutsche Tierschutzbund gefordert, den schwarzen Hengst nicht zu den Wettkämpfen zuzulassen. Der Grund: Sein Reiter wende eine umstrittene Trainingsmethode an, die sogenannte Rollkur. Nachdem vor zwanzig Jahren über das „Barren“ der Springpferde und später vor allem über Doping diskutiert wurde, geht es heute meistens um die Rollkur, wenn darüber gestritten wird, ob Hochleistungspferdesport mit dem Tierschutz kollidiert.

          Mit Rollkur - wissenschaftlich Hyperflexion - bezeichnet man eine Haltung, in die Kopf und Hals eines Dressurpferdes gezwungen werden. Während die klassische Reitlehre es verlangt, dass Stirn und Nasenrücken des Pferdes kaum von einer virtuellen Vertikale vor dem Tier abweichen, wird der Kopf in der Hyperflexion nah an die Brust gezogen. Der Reiter kann so besonders viel Kontrolle über das Pferd ausüben. Vor allem in Deutschland steht man dem Trend skeptisch gegenüber. Pünktlich zu den Olympischen Spielen haben jetzt deutsche und österreichische Wissenschaftler das Stressniveau ermittelt, das sich bei Pferden feststellen lässt, die der Rollkur unterworfen werden - und damit hinterfragt, ob die Methode unter Tierschutzaspekten vertretbar ist. Ein Team um Mareike Becker-Birck vom Graf Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften in Brandenburg und Christine Aurich von der Veterinärmedizinischen Universität Wien trainierte sechzehn ausgebildete Pferde ohne Reiter an der Longe, einer langen Leine, an der die Tiere im Kreis laufen.

          Durchblutung möglicherweise ungleichmäßiger

          Das Training erfolgte zum einen mit Hilfe von am Sattel befestigten Zügeln, die Kopf und Hals in die Rollkur zwangen, zum anderen mit lose gebundenen Zügeln, die eine Haltung des Kopfes nahe an der Vertikalen erlaubten. Die Veterinärmediziner maßen Gehalte des Stresshormons Cortisol im Speichel und die Herzfrequenz und stellten mit einer Spezialkamera ein Thermogramm her. Cortisolgehalt und Herzfrequenz stiegen durch das Training zwar im Vergleich zu den Ruhewerten an, doch es machte keinen Unterschied, ob die Pferde in der klassischen Haltung oder in der umstrittenen Rollkur trainiert wurden. Das Stressniveau war allgemein gering; die Konzentration des Stresshormons war bei beiden Verfahrensweisen niedriger als beispielsweise bei Pferdetransporten. Nur das Thermogramm erbrachte einen Unterschied zwischen den Trainingsmethoden: Die Temperaturschwankungen zwischen einem Maximum und einem Minimum im vorderen Halsbereich fielen in der Hyperflexion stärker aus. Möglicherweise sei in dieser Haltung die Durchblutung im Hals ungleichmäßiger, schreiben die Wissenschaftler im „Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition“ (doi:10.1111/j.1439-0396.2012.01274.x).

          Die bisherige Studien zum Thema widersprechen sich: Gemessen an der Herzfrequenz sei kein Stress festzustellen, konstatierten niederländische Forscher 2006; drei Jahre später schrieb ein internationales Team, das Verhalten von Versuchspferden zeige, dass sie unter der Methode litten; sie zeigten etwa stärkere Angstreaktionen in Tests nach dem Training. Auch die Forscher, die jetzt Cortisolmessungen vornahmen, sprechen die Methode nur unter großem Vorbehalt frei: Die Hyperflexion allein, ohne Reiter, in moderater Geschwindigkeit und ohne Berührung mit der Peitsche, provoziere keine akute Stressreaktion, bilanzieren sie. Völlig anders könne es allerdings aussehen, wenn ein Reiter das Geschehen aktiv beeinflusst.

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